XING und das Zitiertwerden [Aktualisiert]

07.11.2009

Kennen Sie das? Sie surfen bei XING, finden einen spannenden Forumsbeitrag, machen sich spontan Gedanken und wollen direkt darauf antworten. Am besten nach dem Zitatprinzip wie bei Emails. Doch siehe, das Posting des Erkürten kann nicht direkt zitiert werden, da er diese Funktion in seinen XING-Einstellungen gesperrt hat. Das sieht dann so aus:

Der Autor des Ursprungsartikels möchte nicht, dass seine Texte in Suchmaschinen auffindbar sind. Deshalb ist das Zitieren des Ursprungsartikels nicht möglich. Bitte beschränken Sie sich bei der Nennung des Namens auf den Anfangsbuchstaben.

So auch heute geschehen. Und das bei einer PR-Beraterin, die zum Thema “Twitter” ein langes, durchaus vernünftiges Posting abgegeben hat. Darauf wollte ich im Detail eingehen und das geht eben am besten, wenn man zitiert und unter die entsprechende Stelle seine Argumente und Meinung setzt. Ich hab’s dann gelassen, weil ich keine Lust hatte, im Browser hin- und herzuspringen, vielleicht auch noch mit einer “Copy & Paste”-Orgie.

Solche Leute haben irgendwie die Möglichkeiten und Usancen des Web 2.0 nicht verstanden. Wieso präsentieren sie sich öffentlich mit persönlichen Details und Foto in einem Riesen-Netzwerk, sichern jedoch hermetisch ihre Beiträge ab? Fürchten sie vermutete Inkompetenz? Wenn sie nicht gerade “Osama for President” schreien, interessiert das doch keine alte Brotkante.

Das Beste finde ich, dass man auch noch dazu aufgefordert wird, beim Schreiben des Namens nur den Anfangsbuchstaben zu nennen. Das erinnert mich sofort an “M” bei Bond oder die “Men in Black”. Agent J, übernehmen Sie. Bei XING wirkt das ein bisschen affig und auch demotivierend. Es strahlt aus: “Sprecht mich nicht an, meinen Namen habe ich selber schon fast vergessen, und meine Postings sind so geheim, nichtssagend oder unschlau, dass ich sie gleich selber sperre.”

Wie Loddar sagt: “Again what learned.” – “Wieder was gelernt.”

UPDATE

Mittlerweile hat sich die oben genannte PR-Beraterin, Frau Kerstin Boll, bei mir gemeldet und wir haben über die ganze Sache nett geplaudert. Ich fand’s beeindruckend, dass Sie auf mich zugegangen ist, denn durch meine Kolumne konnte sie sich natürlich angegriffen fühlen. Daher 100 Punkte für Mut und Eigeninitiative.

Wer den Ursprungstext der Diskussion (“Twittertypen – Wie twittern Trainer, Berater und Coaches?”) lesen will und keinen XING-Account hat, kann ihn auf ihrem Blog abrufen.

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13 Kommentare


  1. Ich mag es sehr, wenn Menschen das Tun anderer Menschen nur durch die eigene Brille betrachtet beurteilen.

    Können Sie sich nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die möchten, dass über Suchmaschinen erstmal ihre eigen Website oder Blog gefunden wird und nicht ein, wie auch immer geschriebener Artikel bei Xing oder anderen Netzwerken?
    Und das genau das der Grund ist, nicht zitierbar zu sein?

    Respekt vor den Entscheidungen anderer Menschen, anders zu handeln als man selbst es für gut und richtig hält, ist für mich ein wichtiger Bestandteil des Lebens. Und bei Ihnen?

    Viele Grüße
    Martina Bloch


  2. Ich kann den Argumenten von Herrn Väth einiges abgewinnen. XING ist für mich auch klar in der Kategorie Web 2.0. Hier geht es ums mitmachen, nicht ums verstecken. Selbstverständlich sind auch die Argumente von Martina in punkto Anonymität zu respektieren. Aber dafür gibt es auf XING – und auch auf vielen anderen Plattformen – die Möglichkeit, sich in geschlossenen Gruppen auszutauschen, die nicht in Google auffindbar sind. Beides hat meiner Meinung nach seine Berechtigung.


  3. Andreas, es geht aber doch nicht darum, hinter verschlossenen Türen zu diskutieren.
    Es geht schlicht darum, mit anderen Inhalten als denen aus Forumsdiskussionen im Netz gefunden zu werden.
    Ich bin auch unzitierbar, und ich hasse es, wenn andere meinen, mich in dem Punkt belehren zu müssen.
    Ich weiss sehr genau, warum ich mich so entschieden habe und erwarte, dass es einfach respektiert wird. Nicht mehr aber auch definitiv nicht weniger.


  4. @Martina Bloch
    Ich kann gut nachvollziehen, dass es für manche in Punkto Suchmaschinenoptimierung darum geht, die eigene Seite im Netz auffindbar(er) zu machen.

    Doch auch hier liegt meiner Meinugn nach ein Denkfehler vor. Man erhöht die Wertigkeit der eigenen Website nämlich genau dadurch, dass Google Einträge von anderen, möglichst renommierten Seiten (eben wie XING) findet und mit der eigenen Website in Beziehung setzt. Je weiter ich diese Möglichkeiten einschränke, desto schwerer mache ich es Suchmaschinen. Das ist umso fataler, als Google vor knapp einer Woche offiziell eingestanden hat, die “Keywords” einer Website überhaupt nicht mehr (!) in seinen Algorithmus einzubeziehen.

    Mich irritiert eben – losgelöst von technischen Aspekten – die Haltung, eine Debatte zu initiieren und sich dann durch Beschränkung selbst teilweise daraus zurückzuziehen.


  5. @Martina Bloch
    Ich möchte niemand belehren, ich schreibe Kolumnen. Diese sind in der Tat manchmal überspitzt, ironisch etc. Daher trifft mich auch Ihr Einwand des “Respekts” nicht. Ich äußere lediglich in journalistischer Form meine Meinung. Wenn darüber eine Debatte über Netzverhalten angestoßen wird, ums besser.


  6. Ich selber habe das “Zitiertwerden” bei XING für mich abgeschaltet. Und zwar genau aus den Gründen, die Frau Bloch aufgeführt hat.

    So jemand nach meinem Namen sucht, soll er meine Seite finden.
    Und google vergisst halt nicht. Ganz im Anfang meiner “Internetaktionen” habe ich in zwei verschiedenen Foren, einmal zu einer Weinkellerarchivierung auf dem Mac, und das andere mal zu einer Bezugsquelle für einen bestimmten Wein geschrieben. Noch Jahre später wenn jemand nach meinem Namen gesucht hat wurden Kommentare zu Alkohol an erster Stelle aufgeführt. Und dies ist nicht mein Bestreben ;-)

    Und daher sollte jeder einfach Respekt vor den Entscheidungen anderer Menschen haben.

    Viele Grüße
    Dirk


  7. @Martina: Okay, mit dieser Betrachtungsweise hast du natürlich auch recht. Obwohl ich auf XING recht viel “diskutiere”, hat sich das noch nicht in den prominenten Google-Ergebnissen niedergeschlagen. Dort sind die Inhalte an 1. Stelle, die ich auch gerne dort habe. Das hat wohl viel mit der Bloggerei zu tun ;-)


  8. Hallo Herr Vaeth, ich wollte ja auch nur ein wenig Feuer in die Diskussion giessen :) , denke schon, dass Sie andere respektieren.
    Trotzdem ist es eine endlose Diskussion um die Nichtzitierbarkeit
    die an allen Ecken des Netzes immer wieder aufflammt.
    Wir diskutieren übrigens in den Foren trotz der Unzitierbarkeit recht heftig, ich denke, da kommt es auf das Wollen an, dann klappt es.


  9. Liebe Kommentatoren,
    ich muss jetzt ins Büro, freue mich aber totel über Ihre Beiträge. Wenn Sie möchten, können wir da heute nachmittag anknüpfen.


  10. Heute nachmittag bin ich leider ausser Haus, schaue morgen wieder rein.


  11. M.E. ist es recht gewagt, von einer eher unsinnigen technischen Zusammenfassung verschiedener Faktoren auf die mutmaßlichen Beweggründe der Nutzer zu schließen.

    Nachdem mir die Googlefundstellen, wie oben schon beschrieben, zuviel wurden, habe ich die Funktion irgendwann auch eingeschaltet. Trotzdem darf man mich gerne mit Namen ansprechen und auch per Copy&Paste zitieren.

    Wenn man sich die typischen Reaktionen von Nutzern ansieht, von Absurditäten à la:
    - der steht nicht zu seinem Wort
    - hat wohl was zu verbergen
    - der hat Web 2.0 nicht verstanden
    über Reaktionen in Unkenntnis dieser Funktion:
    - wie unhöflich, mich nur mit einem Buchstaben anszusprechen
    - anklicken des Antwort-Buttons am Ende des Themenstrangs statt auf den konkreten Beitrag, der mittendrin steht
    bis hin zu allgemeinen Hinweisen
    - sich bei Bedenken doch nur in geschlossene Gruppen zu bewegen
    und der ‘zwanghaften’ Übertragung eigener SEO-Überlegungen auf andere, dann wird m.E. deutlich, daß es eben nicht so einfach ist, die jeweiligen Beweggründe an Anhieb zu erkennen.

    Mein persönlicher Workflow:
    - im Grundsatz schreibe ich den vollen Namen, lediglich ein Buchstabe durch einen Pl*tzhalter ersetzt. Jeder weiß, wer konkret gemeint ist, die Höflichkeit steht kaum mehr zur Debatte und die Suchmaschinenfrage ist damit auch hinfällig.
    (Ausnahme meist dann, wenn ich im Hinterkopf habe, daß der Beitragschreiber kein Problem mit vollem Ausschreiben hat.)
    - wenn Copy&Paste situativ zu aufwendig ist, dann reicht doch oftmals ein Nebensatz aus, um auf den Punkt hinzuweisen. Das kann sogar schneller gehen, als bei freigeschalteter Zitierfunktion viel Überflüssiges zu löschen.

    Beste Grüße
    Sven Maschmann


  12. @Sven Maschmann
    Die “Absurditäten” sind, wie schon oben erwähnt, Stilmittel einer Kolumne, um zum Nachdenken anzuregen. Vielleicht – und das meine ich völlig unironisch – sollte ich Ironie und Sarkasmus als Stilmittel künftig kennzeichnen.

    Bzgl. SEO weiß ich nicht, was Sie mit “zwanghaft” meinen. Hier jedenfalls das Statement von Matt Cutts, Google Software Engineer:
    http://googlewebmastercentral-de.blogspot.com/2009/09/google-verwendet-das-keywords-meta-tag.html


  13. @Markus Väth
    Meine Liste sind Reaktionen, die mir persönlich innerhalb von Xing-Diskussionen mehrfach aufgefallen sind. Und diese Reaktionen bewerte ich für mich auch unterschiedlich, besagten Teil finde ich eben absurd, das bezieht sich aber in erster Linie auf die erlebten Reaktionen, weniger auf diesen Artikel.

    Die ‘zwanghafte’ Übertragung eigener SEO-Überlegungen ist nur ein Sarkasmus von meiner Seite, der aus vielen beobachteten SEO-Diskussionen erwachsen ist. Natürlich gibt es SEO-Grundsätze und Feinheiten, die jeweils für sich genommen sinnvoll und richtig sind, aber auch SEO hat bestimmte Zielsetzungen, die sich eben nicht immer gleichen.

    Mal ein Beispiel mit zwei Extremen, um es etwas zu verdeutlichen.
    Zwei Xing-Mitglieder:
    Ein braver Angestellter Ende fünzig ist auf operativer Ebene mit viel Kundenkontakt in einem konservativ-seriösem Geschäftsfeld tätig. Er diskutiert bsw. leidenschaftlich in Xing-Gruppen zum Thema Kundenservice und Abschluss-Rethorik.
    Privat tritt er ganz begrenzt lokal als Alleinunterhalter für Kindergeburtstage auf, hat eine schon ältere eigene Homepage dazu und wird in erster Linie lokal mit seinem Namen empfohlen. Die ‘Nachbarn’, die also seinen Namen gehört haben und ihn buchen möchten, aber noch keinen persönlichen Kontakt haben, suchen also genau damit seine Seite. Da er nicht Peter Müller heißt, ist er seit Jahren auch auf der ersten Seite der Suchergebnisse zu finden.
    Dieser Mensch hat überhaupt kein Interesse daran, seine Xingbeiträge in den Vordergrund rücken zu lassen. Seine Firma wird anders gefunden, er fühlt sich wohl in seiner Position und will sich weder als Experte positionieren noch von zahlreichen Headhuntern kontaktiert werden.

    Auf der anderen Seite dann der selbstständige Einzelunternehmer Mitte dreissig, der engangiert sein Blog füttert, diesen durch Twitter pusht, durch Xingbeiträge versucht, seinen angestrebten Expertenstatus auszubauen, etc.
    Natürlich unterstützt in diesem Fall die freigeschaltete Zitierfunktion das anvisierte Ziel, ohne die Xingbeiträge in den Suchergebnissen zu sehr in den Vordergrund zu rücken.

    Und dazwischen gibt es eben tausend Bewegründe, warum es im Einzelfall eben günstiger sein kann, die Funktion zu nutzen oder nicht.

    Für manch einen ist Xing eher der Ort, um sich fachlich auszutauschen, und da kann es ggf. von Nachteil sein, wenn diese Diskussionen zu offensichtlich von Kunden gefunden wird, für andere liegt der Schwerpunkt eher in der Akquise innerhalb von Xing, da stört es weniger, wenn’s auch per Google zu finden ist und bei vielen spielt beides eine Rolle, auch da geht es darum, das es individuell passt.

    Klar, bei einer PR-Beraterin wirkt das auf Anhieb sicherlich merkwürdig, aber es kann eben gute Gründe geben, daß das so gehandhabt wird, die auf den ersten Blick von außen nicht zu erkennen sind.

    Wenn Sie mal Zeit haben und sich amüsieren wollen, dann empfehle ich, eine Hardcore-Diskussion unter SEO-Spezialisten zu verfolgen – da tun sich tiefe Abgründe auf, die reichlichst Stoff für die nächste Kolumne bieten. ;-)

    Ein schönes Wochenende wünscht
    Sven Maschmann

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