Wie Sie Ihr Unterbewusstsein verändern können
25.06.2009Neulich saß er wieder neben mir. Sitz 15A, Flug Nürnberg – Düsseldorf. Der Arme verschwand fast in seinem Sitz und schwitzte kalt. “Wieder Flugangst?” Er nickte. “Und wie. Und jetzt auch noch das mit der Air France – Maschine. Naja, früher oder später sind wir ja alle dem Tod geweiht.” Seine Augen glitzerten.
Ich habe Mitleid mit diesem Menschen. Er kann noch so oft in ein Flugzeug steigen, immer wieder Statistiken über die Sicherheit von Flügen lesen – er wird immer noch Angst haben. Mächtige, instinktive, nicht beherrschbare Angst. Warum macht der menschliche Geist sowas? Und können wir so gar nicht gegen unser Unbewusstes an?
Verstand und Unterbewusstsein
Grundsätzlich verfügen wir über zwei Instanzen, die unsere Umwelt beurteilen: Verstand (Ratio) und Unterbewusstsein (Emotio). Und das Unterbewusstsein denkt immer in Bildern. Es kann mit Zahlen nichts anfangen. Von 1000 Flügen geht nur einer daneben? Aha, soso, beeindruckend. Für den Verstand. Im Unterbewusstsein, welches die Angstsignale sendet, kommt die Zahl gar nicht an. Hier regiert Cinemascope: Bilder von Abstürzen, Schlagzeilen, Alpträume. Was von diesen mächtigen Bildern für furchteinflößende Gefühle abgeleitet werden, kann man sich denken. Und schon ist man bei einer veritablen Flugangst.
Es geht auch weniger dramatisch. Nehmen wir Ihr Büro. Sie gehen dort ein und aus, machen Ihren Job. Alles okay, nur haben Sie dieses vermaledeite Problem: Sie können nicht Nein sagen. Der Chef will was? Na klar, Chef, mach ich. Der Kollege will was? Bevor Sie Muh sagen können, haben Sie auch schon genickt und den Schreibtisch voll. Hinterher ärgern Sie sich – vor allem über sich selbst. Mann, ich weiß doch genau, dass ich hätte Nein sagen sollen. Warum schaffe ich das nicht?
Manche gehen dann in Schlagfertigkeitstrainings, weil sie denken, die Antwort läge in reiner Geschwindigkeit. Das ist in etwas so, als würden Sie einen Trabbi golden anmalen. Der Trabbi fährt deswegen auch nicht schneller. Solche Trainings bringen nichts, weil die Dynamik des Unterbewussten nicht verändert wird. Es bleiben immer noch dieselben Bilder und Erfahrungen, die Sie nicht Nein sagen lassen können.
Wie Coaching hilft
Das Dumme am Unterbewusstsein ist, dass es unterbewusst ist. So eine Überraschung, was? Es geht verschlungene Wege, begräbt Erinnerungen, weil diese zu schmerzhaft sind, lässt uns Dinge tun, die wir vom Verstand her für absurd halten und ist im Großen und Ganzen ein ziemlich unberechenbarer Zeitgenosse.
Im Coaching gehe ich gemeinsam mit dem Klienten diesen unbewussten, verschlungenen Wegen nach. Bis dorthin, wo sich der Klient bewusst wird, warum er nicht Nein sagen kann, warum er immer auf den gleichen Partner “hereinfällt”, warum er [bitte hier das eigene Bild, das eben aus dem Unterbewusstsein aufsteigt, einsetzen].
Hat man den individuellen Mechanismus ins Bewusstsein geholt, kann man ihn entschärfen – auf der Verstandesebene und auf Ebene des Unbewussten. Wenn es um die persönliche Zukunft geht, kann man beispielsweise den negativen Bildern positive Impulse, Perspektiven, Bilder entgegensetzen und leitet den Klienten an, diese kleine Pflanze zu hegen und zu pflegen. Dies ist auch der Kern des “positiven Denkens”, das inzwischen zur schlichten Worthülse verkommen ist. Richtig angewendet, wird es ein wirksames Instrument für Ihr Unbewusstes. Negative Bilder sind die Big Macs des Unbewussten: Zuviel davon tut uns nicht gut. Und erst recht nicht, wenn wir uns auf ein Problem konzentrieren und die gleichen Bilder sozusagen immer wiederkäuen. Irgendwann muss einfach mal ein Salat (=positives Bild) her. Sonst geht man kaputt.
Bei Problemen wie dem “Nein”-Sagen schauen wir uns die “Glaubenssätze” an: Das sind Überzeugungen, die so tief eingesickert sind, dass sie vom Unterbewusstsein aus Denken und Verhalten steuern. Oft weiß der Betreffende gar nicht mehr, woher diese Glaubenssätze kommen und wer sie ihm vermittelt hat. Oft streiten auch zwei Glaubenssätze im Unterbewusstsein miteinander und erzeugen Stress, Angst oder ähnliches. Ich mache die Glaubenssätze transparent und lege den Widerspruch offen. In der Transparenz liegt die Chance der Neubewertung. Nur was ich kenne, kann ich steuern.
Meinem Sitznachbarn habe ich das auch in groben Zügen erklärt. Er hat mir versprochen, sich damit zu beschäftigen – “wenn ich den Flug überlebe”.
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Jahrgang 1975, Diplom-Psychologe mit Hang zur IT, Coach, Autor und hoffnungs- loser Jazz-Fan. Motto: "Es gibt im Leben nur einen richtigen Weg: den eigenen."
Hallo, bin zwei Mal im Juni SAo Paulo Frankfurt und zurueck geflogen. Interessant, die Piloten fliegen vorsichtiger. Auf Equatorhoehe, wo die Supergewitter mit Vertikalluftstroeme normalerweise den Flieger schoen schauckeln, wurde links oder rechts ueberholt, und die schoene gerade Routenlinie im Entertainmentsmonitor vor unserer Nase wurde zum realem Videogame: zick zack durch die Wolkenhuerden. Natuerlich intensiver als “vorher” anschnallen, Abendessen service unterbrechen, Boardpersonal brav Platznehmen. Risikobewusstsein? Toleranzbreiten aendern? Bestimmt nur, bis die Nachricht der Air France schon auf Seite 25 der Midia und ganz weg ist, die letzten der 51 schwimmenden Leichen identifiziert und an die Familien ueberreicht wurden. Bin sicher, dann fliegen auch die Piloten wieder “normal” und das Weinglas beim Dinner darf dann wieder nur 2/3 voll sein, damit es bei der “ueblicher Schaukelei” nicht kleckert.
Bestimmt pilotieren wir auch in unserem Privat und Berufsleben so.
Durch die anglosax Brille (toller Begriff, kann man die Gegenseite EU Brille nennen oder gibt es noch subregionale Versionen? ) erklaert das Peter Senge durch sein toolbox Model “The ladder of inference” (The Necessary Revolution, ISBN 978 0 385 51901 4 Seite 255). Man entnimmt Informationen durch Sebsterfahrung oder negative Big Macs, wie Sie schoen schreiben, man filtert daraus was am meissten impaktiert, man gibt dessen eine persoenliche und oder kulturelle Bedeutung, auf Dieser Bedeutung baut man “assumptions” (sorry, mir fehlt gerade das deutsche Wort) daraus zieht man Beschluesse, auf die man dann bestimmt Einstellungen zur Umwelt nimmt, auf daraufhin, agiert. Der Reklexionsloop interferiert nach Peter Senger so, dass diese Einstellungen als Folge auch die Filtrierung der neuen “Infovideoaufnahme”
der Stufe 1 dieser Leiter beeinflussen : Neue Schlagzeilen und Erfahrungen beschaeftigen uns dann mit neuen Themen, und ablaufende Schlagzeilen trenden wieder zum “normalen Fliegen”. Diese Leiter funktioniert bei jedem Mensch anders, und hilft meines Achtens zu verstehen warum ein Deutscher anders reagiert wie ein Brasilianer, eine Frau oder ein Mann, ein Ingenieur oder ein Psychologe. Da wir keine Machinen sind, schreibt der Author, is es human dass jeder anders ist, und jeder auch die Realitaet anders interpretiert und darauf reagiert. Man kann lernen, diese Treppe rauf und runter zu gehen (sein Lebensthema, The learning Organization) , und sich dadurch zu neuen Moeglichkeiten oeffnen.
Im letzem Flug hatte ich einen extreme Coach als Nachbarn: Er oeffnet das Selbsbewusstsein seinen Kunden durch ein Bogenschiessentraining (Therapie?) , und erzaehlte seine Erfolgsgeschichten, wie beschrenkte Menschen sich durch seine Methode ins Positive geschossen haben. Fall es interessiert, gebe ich seinen Kontakt bekannt. Er ist ein deutscher Schuetze und haette am liebsten im Flugzeug zwei Hacken um seine Haengematte aufzubauen, wie es in den Populaerschiffen im Amazonas der Fall ist. Ich kann mir Ihren 15A Nachbarn in diesem extrem Transportformat vorstellen.
Uuebrigens fliegen bestimmte Leute aus Prinzip nicht. Wer von Oskar Niemeyer (100 Jahre alt und noch aktiv) unserem weltberuehmten Architekten ein Porjekt habe will, muss nach Rio kommen.
Eine entkommene Passagierin des AF Ungluecksflugs (hat gluecklicherweise den Flug verpasst) wurde 2 Wochen spaeter doch “erwischt” und kam bei einem Autounfall in Kufstein ums Leben.
Geniessen wir jeden Tag so gut wir koennen, und sollten versuchen, immer wieder mit einem besseren Kaffee ausser den Melitta, Nexpresso oder Starbucksstandarts uns selber zu ueberraschen.
Gruesse aus Brasilien
Hans Schaeffer
Menschen achten vor allem auf das, was ihnen bewusst ist. Je mehr eine Sache in den Medien hochgekocht wird, desto präsenter ist es. Und umgekehrt. Daher haben Sie sicher recht, wenn die Piloten irgendwann wieder ihre alten Routen fliegen und die Gläser wieder voller eingeschenkt werden.
Was Katastrophen, Skandale etc. betrifft, stumpfen wir so langsam ab, habe ich das Gefühl. Wir fragen uns: Was hat das denn noch mit meinem Leben zu tun – besonders wenn solche Dinge gehäuft auftreten. Der Mensch ist nur begrenzt aufnahmefähig, und das gilt erst recht für abstrakte Zahlen. Deshalb ist die “Personalisierung des Schicksals” in den Medien so wichtig. EIN Überlebender, EIN Schicksal, das man beleuchten, analysieren und ausschlachten kann, sind für Medien besser darstellbar als reines Zahlenwerk. Denn nur Bilder erreichen das Unbewusste und erzeugen Emotionen wie Trauer und Mitgefühl.