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 Alltagsnotizen eines Psychologen



Wenn Frauen mehr verdienen als ihre Männer

13.10.2009

Jahrzehnte der Emanzipation zeigen Wirkung. Immer mehr Frauen sind sehr gut ausgebildet, dringen in bislang männerdominierte Berufe vor, werden Soldatin, Vorstand oder Nobelpreisträgerin für Wirtschaftswissenschaften.

Das Ganze geht natürlich nicht ohne ein gewisses Rumpeln in der Maschine vonstatten. Manche Männer fühlen sich von “Frauenpower” bedroht; auch bei den Gehältern für Frauen gibt es teilweise durchaus noch Nachholbedarf.

Ein weiteres “Rumpeln” erzeugt in manchen Beziehungen der Umstand, dass dort Frauen mehr verdienen als ihre Männer. Diesem Thema widmet sich Annabel Wahba im aktuellen ZEITMagazin unter dem Titel “Armer Mann, was nun?” Was können nun solche “Feuerproben in der Beziehung” sein, wie Frau Wahba schreibt?

  1. Männer verlieren ihren Ernährer- und Versorgerstatus, der durch jahrhundertelange Rollenzuschreibung gesichert war. Der moderne Mann muss seine Rolle überdenken und schauen, woher er nun “Männlichkeit” bezieht, wenn nicht aus der Situation des alleinigen Ernährers. Früher war es halt die Jagdbeute, die er heimgebracht hat, in jüngerer Zeit das Gehalt. Im Grunde ist dies noch das archaische Gefühl, zu siegen, zu töten und die Beute heimzubringen. Nur modern verbrämt, abgeschliffen, aufgeweicht.
  2. Frauen verlieren den Respekt vor ihren finanziell schlechter gestellten Männern. Das ist ein überraschender Umstand. Ich hätte vermutet, dass Frauen in der Rollenzuschreibung flexibler als Männer sind und Respekt nicht an sein Einkommen ketten. Andererseits kann das auch nur ein Symptom für eine generelle, komplexere Schieflage der Beziehung sein.
  3. Frauen nehmen sich einen Liebhaber als “starke Schulter”. Das ist eine unmittelbare Folge aus Punkt 2. Anscheinend funktionieren Rollenzuschreibungen “auch im Jahr 2009 zu hundert Prozent weiter”, so Wahba.
  4. Frauen wollen das verdiente Geld nicht teilen. Anders als viele Männer, die ihr Gehalt in den “Haushaltstopf” werfen, tendieren erfolgreiche und besser verdienende Frauen dazu, getrennte Konten zu führen und das Geld nur für sich verwenden zu wollen. Wahba dazu: “Es ist eine unangenehme Wahrheit, dass Emanzipation auch Nachteile bringt für die Frau. Das scheinen viele noch nicht akzeptiert, vielleicht nicht einmal erkannt zu haben.”

Was folgt daraus: Beide Partner sollten, wenn er weniger verdient als sie, an ihrem Rollenschema arbeiten. Für den Mann heißt das: Er braucht ein neues Feld männlicher Bestätigung. Sport, Kreativität, Wissenschaft, Ehrenamt sind hier einige Möglichkeiten. Interessanterweise zeigt der Artikel, dass vor allem Beziehungen finanziell besser gestellter Frauen, die in der Wirtschaft arbeiten, dann funktionieren, wenn der Mann aus einer “Nicht-Konkurrenz”-Sphäre kommt: als Kreativling (Maler, Drehbuchautor, Schriftsteller), Sportler oder eben aus einer wissenschaftlichen Tätigkeit.

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