Warum die anderen immer Schuld haben
11.01.2008
Wir sind schon alle tolle Hechte, oder? Ich meine, seien wir doch ehrlich: Wenn etwas super läuft, dann war das doch unser Verdienst, oder? Zum Beispiel beim letzten Projekt. Oder dass die ganze Familie den Zug noch erwischt hat. Oder dass wir das richtige Auto gekauft haben.
Wir sind fähige Leute, keine Frage. Aber wir müssen auch immer das herausrechnen, was Psychologen den “fundamentalen Attributionsfehler” nennen. Der besagt folgendes: Wenn wir Erfolg haben, schreiben wir diesen Erfolg uns selbst und unseren Fähigkeiten zu. Wenn etwas schlecht läuft, machen wir oft andere Faktoren verantwortlich (Kollegen, das Wetter etc.).
Der fundamentale Attributionsfehler hat eine Schutzfunktion. Er bewahrt uns vor der Gefahr, uns zu stark mit unserem eigenen Versagen auseinanderzusetzen. Das ist in Ordnung, solange es sich um unwichtigere Alltagsdinge handelt. Wenn es jedoch um Projekte geht, Teamarbeit, Situationen, wo sich der eine auf den anderen verlassen muss, kann der Attributionsfehler zerstörerisch wirken. In der Presse liest man dann die Auswirkungen. Da beschuldigt die eine Partei die andere, man schiebt sich gegenseitig den schwarzen Peter zu und glaubt, damit irgendetwas zu erreichen.
Was lernen wir daraus für den Betriebsalltag?
Der fundamentale Attributionsfehler muss entschärft werden. Natürlich sollte man den Sachfehler finden und beseitigen. Dies darf jedoch nicht mit einer persönlichen Schuldzuweisung verbunden sein (was in Unternehmen leider zu oft vorkommt). Diese verursacht Abwehr und blockiert den Gesamtprozess.
Am besten streicht man die Frage “Wer hat Schuld?” gleich komplett und ersetzt sie durch “Was machen wir jetzt draus?”.
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Jahrgang 1975, Diplom-Psychologe mit Hang zur IT, Coach, Autor und hoffnungs- loser Jazz-Fan. Motto: "Es gibt im Leben nur einen richtigen Weg: den eigenen."