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 Alltagsnotizen eines Psychologen



Warum wir lernen müssen, loszulassen

06.11.2008

Manchmal führe ich im Coaching Gespräche wie dieses:

Klient: “Wissen Sie, sie geht mir einfach nicht aus dem Kopf. Es ist verrückt. Die Beziehung ist schon lange vorbei, ich bin glücklich verheiratet. Aber ich muss nur durch diese Straße laufen, in dieses Restaurant gehen, und schon denke ich wieder an sie, fühle ich wieder diese Erregung, dieses Flattern im Bauch.”

Ich: “Wenn es nicht die Frau an sich ist, die Sie kickt, was dann?”

Klient: “Ich weiß nicht. Vielleicht die Erinnerung an eine Zeit, die vorbei ist und nie wieder kommen wird.”

Eine weise Erkenntnis. Oft halten wir an Menschen fest, die schon längst aus unserem Leben verschwunden sind. Trotzdem bleiben sie präsent. Das ist nicht immer schlecht; es wird dann zum Problem, wenn sie unsere Beziehungen zu unseren Mitmenschen im Jetzt beeinträchtigen. Klassische Vertreter dieser “unsichtbaren Mitbewohner” sind zum Beispiel:

  • der Ex-Partner, von dem man sich emotional nicht gelöst hat
  • Eltern, deren Erwartungen man nach eigenem Urteil immer noch nicht erfüllt hat
  • ein Mensch, dem gegenüber man Schuld auf sich geladen hat
  • das eigene Ideal-Selbst mit unerreichbar hohen Ansprüchen

Solche nicht abgeschlossenen Altlasten beschweren nicht nur uns, sondern auch die Beziehungen zu unseren Partnern und unserem sozialen Umfeld. Daher sollten wir uns fragen: Was ist für mich der wahre Grund, warum ich diese Person nicht loslassen kann? Welche Verstrickung besteht hier noch? Kann ich diese lösen? Will ich das überhaupt oder setze ich damit einen Gutteil meiner Identität aufs Spiel?

Daher: Machen Sie sich frei von “unsichtbaren Mitbewohnern”. Kündigen Sie ihnen den “Mietvertrag” in Ihrem Kopf. Was Sie davon haben? Ein reiferes Selbst. Eine größere Freiheit in Ihrem Denken und Handeln. Eine systemische “Entschmutzung” Ihrer Beziehungen.

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Kategorie: Coaching, Selbstcoaching | Trackback-URL

3 Kommentare


  1. Mir gefällt der Artikel sehr gut! manchmal bewirkt dieses Festhalten auch, dass man selbst sich damit so blockiert, dass obiger Klient möglicherweise in seiner jetzigen Beziehung Auswirkungen davon spüren könnte. Manchmal ist es ja auch so, dass in einer Trennungssituation eine erneute auf einander zu Bewegung stattfindet, wenn der Verlassene loslässt. Erst wenn man loslässt, hat man die Hände frei ;-)


  2. “Manchmal denkt man es sei stark festzuhalten, doch es ist das Loslassen, welches Wahre Stärke zeigt.”


  3. Häufig geht es auch darum zu schauen, wofür ein bestimmter Mensch steht. Manchmal projezieren wir eigene Wünsche und Bedürftigkeiten auf Menschen, schaffen uns damit Bilder und sind enttäuscht, wenn diese Bilder dann nicht der Realität entsprechen.
    Hier mit dem Blick zu schauen: ” Wer bist Du wirklich” – kann oftmals sehr heilsam sein.

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