Warum der Klimagipfel scheitern musste
Das dumpfe Aufschlagen auf dem Boden des Klimagipfel-Misserfolgs hat mich nicht überrascht. Vordergründig mag es um unvereinbare Positionen gehen, um das Mächtespiel “kleine vs. große Nationen”, Emissionsgrenzen etc. Psychologisch gesehen, fällt es Menschen schon als Individuum schwer, vorausschauend zu handeln. Wir können einfach schlecht Konsequenzen abschätzen, die erst in der Zukunft – vielleicht – eintreten. Um wieviel schwerer ist das in der Masse, sprich: bei 192 Teilnehmer-Nationen!
Das beste Beispiel ist das Gleichnis von der heißen Herdplatte: Wenn wir einmal draufgelangt haben, wissen wir: tut weh. Also nicht wieder tun. Lernen aus Erfahrung. Wenn man nicht gerade Homer Simpson heißt, funktioniert dieses Prinzip auch ziemlich gut im Leben. Schon Pink sang: “Shame on you if you fool me once. Shame on me if you fool me twice.”
Natürlich kann man nicht alles selbst ausprobieren. Dafür hat uns die Evolution die Abstraktionsfähigkeit und das Lernen am Modell gegeben. Wir nehmen um uns herum Menschen, Dinge, Situationen wahr und speichern alles, was geschieht plus Konsequenz. So können wir durch dieses Lernen am Modell im Notfall eine “Gebrauchsanweisung” aus unserer Erinnerung ziehen, die regelt, wie wir uns zu verhalten haben.
Etwas ganz anderes ist es mit dem Lernen durch Abschätzen von Konsequenzen in der Zukunft, sehr schön illustriert im Märchen vom Reis auf dem Schachbrett. Und das überfordert uns. Genau wie in diesem Märchen stehen wir
- vor einer neuen Situation (der wir den Namen “Klimawandel” gegeben haben). Historisch fehlt hier eine Vergleichsmöglichkeit, die uns Menschen Rollen, Situationsverlauf und Ergebnisse des Nichthandelns deutlich macht.
- haben wir nicht die mentalen Fähigkeiten, beispielsweise in mathemathischen Wahrscheinlichkeiten zu denken. Das Ziel “40% weniger CO2 bis 2050″ hat emotional überhaupt keine Kraft. Es ist eine Statistik. Menschen denken vielleicht in Zahlen, aber sie fühlen in Bildern und bildhaften Emotionen.
- Ohne diese Emotionen (z.B. Furcht vor Flutwellen) hatten die Klima-Gipfelteilnehmer auch keine Motivation, das Ereignis, eine angenommene “Klimakatastrophe” zu verhindern. Daher versuchten auch Kritiker und einige Gipfel-Redner, genügend Pathos zu erzeugen, damit dieses Gefühl eine Motivation zur Veränderung erzeugt. Es hat nicht geklappt.
- Außerdem ist es ohne im wahrsten Sinn des Wortes vorstellbare Konsequenz ein Leichtes, zu verdrängen. “Es wird schon irgendwie weitergehen.”
Ich weiß nicht, ob die Klimakatastrophe kommt. Die Menschen werden etwas tun, wenn sie reale und keine vorausberechneten Gefahren wahrnehmen. Dafür sind die Klima-Auswirkungen bislang wohl noch zu milde. Mal angenommen, die Katastrophe kommt: Dann werden Länder untergehen, viele Menschen sterben, bevor die Menschheit als Ganzes eben aus Erfahrung lernt, dass sie etwas tun muss. Anscheinend geht’s nicht anders.
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