Wann ist ein Mann ein Mann?
30.09.2008Die amerikanische Schriftstellerin und Intellektuelle Susan Sontag wurde einmal gefragt, was sie denn an heutigen Männern vermisse. Sie meinte: “Men just don’t do their job anymore.” – “Männer erledigen ihre Aufgaben (als Männer) nicht mehr.”
Es lohnt, über diese Worte nachzudenken. Für mich als Mann und Coach gibt es diese “Grundaufgaben des Lebens”, denen sich ein Mann stellen muss:
Sich einer Lebensaufgabe verschreiben.
Männer müssen eine Aufgabe haben, die größer ist als ihr Ego, der sie bereits sind, Zeit und Energie zu opfern. Dafür ist es nötig, zu wissen, was man im und vom Leben wirklich will. Und das ist schwer. Auch Männer werden in Bahnen und Berufe gedrängt, die nicht die ihren sind. Oft genug können sie sich nicht daraus befreien und bleiben ihr ganzes Leben kraftlos gefangen.
Einem Kodex folgen.
Als ich ein Junge war, hatten wir einen ungeschriebenen Kodex: Die Freundin eines Freundes ist tabu. Man tritt nicht mehr nach, wenn einer am Boden liegt. Diese und andere ungeschriebene “Gesetze” galten für uns Jungen. Genau so muss ein Mann einem Kodex folgen. Regeln, die ihm seine Selbstachtung bewahren und ihn durchs Leben leiten. Ein historisches Beispiel dafür ist Bushido, der Kodex der japanischen Samurai.
Eine Frau erobern, sie respektieren und lieben.
Männer und Frauen sind grundverschieden und gehören doch zusammen. Zu allen Zeiten und in allen Kulturen gibt es das Märchen-Motiv des “Rettens der Prinzessin”. Echte Männer wissen um das Geheimnis der Liebe, um das unterschiedliche Wesen von Mann und Frau. Gerade dieses Anderssein macht Frauen für Männer attraktiv. Ein echter Mann muss nicht durch 50 Betten springen. Weil er Lust nicht mit Liebe verwechselt.
Seine Familie beschützen.
Der oft belächelte “Beschützer-Instinkt” ist ein sehr wertvoller Teil des Mannseins. Ein Mann will seine Frau und seine Familie vor Gefahr bewahren. Das ist seine Aufgabe seit den Anfängen der Zeit – zu kämpfen und zu beschützen, was ihm lieb und teuer ist. Das verleiht ihm Größe.
Sich im Wettkampf messen.
Männer müssen ihren Platz in der Gesellschaft finden, auch untereinander. So wurden in früherer Zeit Turniere ausgetragen, um die Besten zu ehren. Heutzutage ist dieser Mechanismus pervertiert: Man darf als Mann nicht mehr offen kämpfen und sich – auch in der Niederlage – an seinem Platz fühlen. Vielmehr wird Rivalendenken “abgebogen” und in schrägen Bürokonflikten, Intrigen und lächerlichen “mein Haus, mein Boot, mein Auto”-Ritualen ausgelebt.
Meiner Meinung nach ist der heutige Mann über seine Identität und seine Rolle im Leben zutiefst verunsichert. Er fragt sich: Wie kann ich ein echter Mann sein? Wer leitet mich an? Viele Männer blühen auf, wenn man ihnen zeigt, dass ihre verschütteten Instinkte und Sehnsüchte Zeichen echten Mannseins sind. So lernen sie, ihren eigenen Weg zu gehen – und nicht eine von der Gesellschaft vorgepresste Schablone.
Und letztlich können auch Frauen bei echten Männern nur gewinnen. Was nützt einer Frau ein Mann, der selbstunsicher ist, sein Mannsein ablehnt und bei einer Frau Hilfe und Antworten sucht, die sie ihm niemals geben kann? So bleibt zu hoffen, dass noch viele Männer den Weg echten Mannseins finden und ihn gehen. Damit beide Welten gesund werden – die der Männer und die der Frauen.
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Jahrgang 1975, Diplom-Psychologe mit Hang zur IT, Coach, Autor und hoffnungs- loser Jazz-Fan. Motto: "Es gibt im Leben nur einen richtigen Weg: den eigenen."