Vorbilder gesucht
01.09.2010Wie stellen Sie sich die Vorbild-Führungskraft im Jahr 2018 vor? Männlich, 45 Jahre, 50-Stunden-Woche, vor Elan für die Firma strotzend – oder eher weiblich, 42 Jahre, Teilzeit, 2 Kinder. Na gut – Klischee das eine, Klischee das andere. Dennoch stehen wir als arbeitende Gesellschaft vor der Frage, welche Rollen(vor)bilder wir in Unternehmen durchsetzen wollen. Hier geht es auch darum, ob sich Teilzeit als ernsthafte Möglichkeit der Arbeitsgestaltung dauerhaft duchsetzen kann. Oder darum, ob wir glauben, dass jemand mit 25 oder 30 Stunden einen Job genauso gut erledigen kann wie jemand mit vollen 40 Stunden (wobei ja dann in den meisten Fällen stillschweigend angenommen wird, es würden sowieso noch 5-10 Stunden draufgesattelt).
Ist unser kollektives Arbeits-Ego so übermächtig, dass wir weiterhin die Arbeitsrolle an erster Stelle setzen? Vielleicht. Erst wenn sich ein 38-jähriger männlicher “High Potential” um 17 Uhr mit Stolz in der Stimme und den Worten “Ich muss jetzt mein Kind aus der Krippe abholen” aus seiner Firma abmeldet, werden sich wohl die Gewichte verschieben.
Wohin? Gute Frage. Erst mal in Richtung Familie. Doch danach steht das Fragezeichen. Immerhin gibt die eigene Arbeitsleistung Sinn im Leben. Schwächen wir diesen Sinn ab, muss ein neuer her. Wie schwer das Menschen fällt, erlebe ich jeden Tag in meiner Arbeit. Nehmen Sie jemandem die Arbeit weg, fällt er in ein Loch. Wir wollen gebraucht werden. Die gesellschaftliche Etablierung einer Teilzeit-Mentalität sendet ein kollektives Signal: Die Zeit für einen neuen Lebenssinn jenseits der Arbeitsrolle ist angebrochen. Das wird vor allem für Männer schwer zu schlucken sein. Interessanterweise vollzieht sich diese Entwicklung innerhalb des neuen, 7. Kondratjeff-Zyklus, laut Prof. Max Otte (“Der Crash kommt”) mit dem Megatrend “Gesundheit, Wellness, Lifestyle”. Wie es weitergeht und was vor allem die Politik in Deutschland mit den modernen Formen der Arbeitswelt anstellt? Wir dürfen gespannt sein.
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Ich fände es optimal, eine Führungsrolle mit 30 Stunden pro Woche zu übernehmen und gleichzeitig eine Familie aufbauen zu können. Doch viel ist in althergebrachtem Rollenverständnis und festgelegten Anforderungen an den Werdegang gebunden. Ein Umdenken für den Umbau gestaltet sich da schwierig. Es braucht Menschen mit anderen Lebensläufen und den Mut der Entscheider (oder solche, die es werden wollen), dies zu verändern. Ich habe einen sehr bunten Lebenslauf, wohl eher „amerikanisch“, da nicht fachfokussiert (um Fachidiot zu umgehen). Habe sogar deutliche Führungserfahrung, habe mich bewusst eine Weile seitwärts entwickelt, um zu schnuppern und zu lernen. Im Ausland wird das vielfach respektiert, als wandlungsfähig, kreativ, mutig und Ausdruck vieler Kenntnisse gesehen. In Deutschland werde ich für unentschlossen und wankelmütig gehalten. Dabei wählte ich, Frau, dies bewusst, um (a) interessant zu leben – hab ja nur eins (managen knapper Ressourcen!) – und (b) zu einer besseren, da übergreifend informierten Managerin zu werden.
Doch im Rollenverhalten wird auch beim Lebenslauf häufig nach Ähnlichkeit zum althergebrachten entschieden und so pflanzt sich alte Kultur fort.
Unser Vorteil: ein Großteil der Dax Vorstände hat inzwischen Zeit im Ausland verbracht. Unser Nachteil: die überwiegende Mehrheit von ihnen führt ein Leben auf der Überholspur und kennt jene abwechselnden Lebensphasen mit mehr/weniger Macht, mehr/weniger Zeit und Regeneration, umschichten von Ansprüchen und Lebensentwürfen häufig nicht. Während sich die Gesellschaft umbaut, leben Führungskräfte heute häufig noch in einem gutfinanzierten Senkrechtstarter Vakuum, das ihnen die Bedürfnisse der breiten Masse aus dem Blickfeld rückt.
Doch glücklicherweise findet der Gesellschaftsumbau nicht nur von oben, sondern auch von unten statt. Coaching Kleinbetriebe wie die Ihren scheinen mir da wichtig, um an solchen Themenfeldern anzusetzen und im Schulterschluss mit ähnlichen Partnern in Summe etwas zu bewegen.