Von Firmen und Menschen, Stress und Veränderung

18.09.2009

Eine Firma ist wie ein Mensch. Gerät ein Mensch unter Stress, zieht sich das Blut in den lebenswichtigen Organen zusammen: Herz, Lunge, Leber etc. Dafür werden Finger und Füße kalt, weil die Durchblutung abnimmt. Die Atmung beschleunigt sich, das komplexere Denken wird reduziert und die Instinkte hochgeschalten. Insgesamt die wohlbekannte “fight or flight” – Reaktion.

Unternehmen machen es nicht anders, wenn sie unter Druck kommen. In der Krise ist oft davon die Rede, dass sich Unternehmen verändern müssen, gerade jetzt: die “Krise als Chance”. Viele Firmen schaffen das nicht, verständlicherweise. Wie ein Mensch, der unter Stress gerät, konzentrieren sie ihre Kräfte auf den Überlebenskern: Produktion und Vertrieb, vielleicht noch abgespecktes Marketing. Alles andere wird zurückgefahren: Personalkosten(es werden Leute entlassen oder zumindest keine mehr eingestellt), Einkauf (es wird weniger bzw. billiger eingekauft), Facilities (muss der neues Anstrich wirklich sein?). Das ist alles natürlich nicht sehr kreativ, aber eben durchaus nachvollziehbar.

Eine Firma muss über sehr viel kollektive Intelligenz, Motivation und die richtigen Leute an der Spitze verfügen, um sich gegen eine Rezession zu stemmen und gleichzeitig das Unternehmen in entscheidenden Punkten ins Positive zu verändern. Dass dies nur in Einzelfällen in der deutschen Unternehmensladnschaft zutrifft, belegen zahllose Medienberichte und persönliche Erfahrung.

Auch das Argument, dass eine Veränderung, zum Beispiel durch Change Management, ja letztendlich zu positiven Ergebnissen führen würde, zu besseren Prozessen, glücklicheren Mitarbeitern etc., zieht hier nicht. Warum? Veränderung bedeutet immer zunächst eine Mehrbelastung, hat immer eine Phase des Chaos und der Gewöhnung, bis die produktive Phase mit all ihren Vorzügen eintritt. Das Risiko, dass Mtarbeiter in der Krise blocken, ist größer als in Phasen der Hochkonjunktur.

Was lernen wir daraus? Erstens: Firmen verändern sich am besten in Zeiten, in denen es ihnen gut geht. In Krisen sind sie damit überfordert und fahren das “Stressprogramm” – ein natürlicher Überlebensinstinkt. Zweitens: Neben dem richtigen Zeitpunkt braucht es Schlüsselpersonen im Top-Management, die die Veränderung lostreten. Genauso wie negativ “der Fisch immer am Kopf das Stinken anfängt”, muss auch postiv eine atmosphärische Veränderung im Unternehmen immer zuerst ganz oben gelebt und nach unten weitergegeben werden.

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Kategorie: Change, OE, PE | Trackback-URL

2 Kommentare


  1. Immerhin hat uns dieser Instinkt bis heute überleben lassen! Das es von Vorteil ist bestimmte Dinge proaktiv anzugehen sehe ich auch so, aber bei der heutigen Quartalsdenke erscheint mir dieser Ansatz schwer vermittelbar. Der stärkste Antrieb für Veränderung ist immer noch Leid(en)!

    P.S. Ich finde das neue Layout sehr gut, vor allem wegen der Übersichtlichkeit.


  2. Danke!

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