Verkannt, verkorkst, verramscht – das Bewerbungsfoto
Es ist eine “never ending story”. Trotz unzähliger Ratgeber-Bücher und Internetseiten zur optimalen Gestaltung von Bewerbungsunterlagen sind gut gestaltete Bewerbungsdokumente immer noch die Ausnahme. Auch ich bekomme fast jeden Tag Unterlagen in die Hand, die ich als Personaler in einem Unternehmen sofort in den Müll werfen würde. Was erstmal nichts mit der Qualität der Person an sich zu tun hat.
In keinem anderen Gebiet scheinen Selbst- und Fremdeinschätzung so weit auseinanderzuklaffen wie in dem der Bewerbung.
Da werden Fotos abgeliefert, die schlicht indiskutabel sind. Der Klient schaut drauf und sagt: “Geht doch. Ist doch okay.” Ist es eben nicht, wenn man die Zähne fletscht wie Dschingis Khan, der gerade ein Kind verschlingen will. Oder wenn der angebliche Profi-Fotograph einen blauen Hintergrund zur quietschigen Krawatte wählt und das Bild auch noch schlecht ausgeleuchtet ist. Und da sind wir noch gar nicht bei der hohen Kunst, die Persönlichkeit eines Bewerbers im Foto auszudrücken. Das geht nämlich.
Ich führe immer wieder die Diskussion, ob man 100 – 150 EUR investieren soll, um wirklich gute Bewerbungsfotos zu machen. Natürlich. Schauen Sie mal: Sie bewerben sich um eine Stelle, die Ihnen wieviel pro Jahr einbringen soll: 30.000, 60.000, 80.000 EUR? Und da wollen Sie nicht mal 100 EUR investieren, um sich optisch gut darzustellen? Wo ist denn da die Relation? Wenn Sie nicht mal bereit sind, diese kleine Investition zu tätigen, haben Sie im Grunde nicht genug unternehmerisches Denken, um eine hochbezahlte Position in der Wirtschaft einzunehmen. Geiz ist nämlich nicht geil.
Es geht nicht darum, etwas vorzugaukeln. Es geht darum, emotional zu punkten. Das Foto ist hierfür Ihre erste und einzige Chance. Ich wiederhole: Ihre erste und einzige Chance. Kompetenz zeigen Sie im (hoffentlich) gut gearbeiteten Lebenslauf. Aber Sympathie, das Menschliche, den Bauch-Faktor liefert das Foto. Und zwar blitzschnell, im Bruchteil von Sekunden. Da laufen im Unterbewusstsein des Betrachters komplizierte Prozesse ab: Mustererkennung, inidividuelles Erinnern an Personen, die ähnlich aussehen, Abfragen gesellschaftlich gelernter Schönheitsideale und einiges mehr.
Als Psychologe registriere ich das bei mir und kann es steuern. Ich erkenne, warum mir jemand sympathisch ist – oder eben nicht – und welche visuelle Komponente dafür verantwortlich ist. Aber ein normaler Sachbearbeiter hat dieses Wissen und diese Abgeklärtheit nicht. Der kuckt auf das Foto und sagt im schlimmsten Fall: Nee, der nicht. Irgendwie…komisch. Und das war’s auch schon. Ende Gelände.
Daher mein Appell: Bitte investieren Sie in ein wirklich professionelles Foto. Eine gute Foto-Session erkennen Sie daran:
- Sie dauert ca. 1 Stunde, nicht 15 Minuten. Auch angeblich professionelle Foto-Studios liefern da teilweise entsetzlichen Schrott ab.
- Sie hat ihren Preis. Rechnen Sie mit ca. 80 – 150 EUR.
- Der Photograph nimmt sich Zeit, lernt Sie kennen, nimmt Ihnen die Beklommenheit. Er telefoniert im Vorfeld mit Ihnen und lässt Sie mehrere Kombinationen von Kleidung mitbringen.
- Am Ende sollten Sie eine CD mit den gemachten Dutzenden, wenn nicht Hunderten von Fotos mitbekommen. Lassen Sie sich nicht auf den Deal ein, EIN Foto auszuwählen und das dann nur als mehrfachen Ausdruck mitzubekommen. Das ist meiner Meinung nach Abzocke, denn Sie müssen ja immer wiederkommen, wenn die paar Kopien verbraucht sind – und das vielleicht auch noch für ein schlechtes Bild.
- Der Fotograph berät Sie und trifft gemeinsam mit Ihnen eine Vorauswahl der besten Bilder.
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