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 Alltagsnotizen eines Psychologen



Verachtungskultur

13.04.2010

Der SPIEGEL bringt einen Kommentar über die “fiesen Rituale der Business-Elite“. Ohne Zweifel ein weiterer Mosaikstein in der aktuellen Wertedebatte um Unternehmenskultur. Der Autor will auf einen gewissen Führungsinzest in Deutschland hinaus: “Über die Hälfte des deutschen Top-Managements stammt aus dem winzigen 0,5-Prozent-Segment der reichsten deutschen Familien”. In den Kreis komme keiner hinein, schon gar kein Migrant oder eine Frau. Dazu kämen Rituale der Abgrenzung und der Demütigung für Niedrigstehende.

Ich las den Artikel und dachte: Da schreibst du was drüber. Im zweiten Moment dann: Seltsame Leere. Keine Idee. Vielleicht weil genau das der Effekt des Artikels ist: keine Lösung, nirgends. Halt abkotzen. Mach ich ja auch manchmal. Ein Kommentar, ein bisschen wie Essen bei McDonalds. Im ersten Moment würzig durch die Geschmacksverstärker, aber nicht richtig sättigend und liegt wie ein Stein im Magen.

Das einzig Neue an diesem Artikel ist das – mir bislang unbekannte – Wort “Verachtungskultur”. Pointiert, klar bis zur Überzeichnung, SPIEGEL-Rhetorik. Insofern wenigstens eine sprachliche Innovation. Die inhaltliche Perspektive zur Wertedebatte bleibt offen.

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Kategorie: (Unternehmens-)Ethik, Management & Führung | Trackback-URL

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