Systemische Organisationsberatung
28.08.2007Der SPIEGEL bringt in seiner Ausgabe vom 27.08.07 einen Artikel über die Systemtheorie von Niklas Luhmann (der Artikel ist kostenpflichtig). Wer sich aus dem Artikel einen Einblick in die Theorie Luhmanns erhofft, wird leider enttäuscht.
Niklas Luhmann starb vor neun Jahren; sein Werk ist jedoch noch heute ein grundlegender Ansatz für das Systemische Coaching bzw. die Systemische Organisationsberatung. Der Autor jedoch scheint den systemischen Ansatz selbst gar nicht zu verstehen bzw. kann Verstandenes nicht in Essenz für den Leser verwandeln. Ein Beispiel: “Als moderne Erbin der Romantik weiß die Systemtheorie, dass Verstehen ein Operieren im Dunkel der Geheimnisse ist.” Dies widerspricht zunächst einmal jedem wissenschaftlichen Anspruch und ist weichgezeichnete Umgangssprache. Und wie passt das mit der Beobachtung des Autors zusammen, dass Luhmann zunächst als “Zyniker” und “Verkünder einer kalten Moderne” galt?
Überhaupt werden die tragenden Säulen der Luhmannschen Systemtheorie nicht einmal erwähnt: die Differenz von System und Umwelt, die Kommunikation an sich als kleinste Einheit eines Systems, das Selbstreferenzielle eines Systems sowie die Reduzierung von Komplexität zur Erhaltung eines sozialen Systems.
Im besten Fall zieht der Leser durch den SPIEGEL-Artikel den Schluss, dass es hier eine irgendwie interessante psychologisch-kommunikative Theorie gibt, die durch den Soziologen Dirk Baecker weitergeführt wird. Dies ist jedoch für einen Zwei-Seiten-Artikel (auch noch als Folge einer Serie mit dem Titel “Geistesgrößen”) zu wenig.
Wer sich für die Systemtheorie als Grundlage modernen Coachings und Organisationsberatung interessiert, sei das Buch “Systemische Organisationsberatung. Grundlagen und Methoden” von Eckard König und Gerda Volmer empfohlen. Es ist klar strukturiert und allgemeinverständlich.
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Jahrgang 1975, Diplom-Psychologe mit Hang zur IT, Coach, Autor und hoffnungs- loser Jazz-Fan. Motto: "Es gibt im Leben nur einen richtigen Weg: den eigenen."
Hallo,
ich teile die Einschätzung zu oben genanntem Artikel; neben dem Buch von Vollmer und König kann ich ein weiteres an dieser Stelle nur wärmstens empfehlen: “Systemisches Handwerk” von Schwing/Fryszer. Dieses Buch liefert nicht nur gut platzierte Theorietexte, sondern anhand von Beispielen aus der systemischen Familientherapie und Beratung fundiertes “Handwerkszeug” – ohne dabei liniear platt und Werkzeugkoffermässig zu werden.