Struktureller Burnout: Interview in der SZ
20.08.2010Nach meinem Artikel in den managerSeminaren widmet sich jetzt die Süddeutsche Zeitung dem akuten Thema “Struktureller Burnout” in Unternehmen. Lesen Sie hier das Interview mit mir.
UPDATE
Mittlerweile wird das Thema weiter aufgegriffen, zum Beispiel im Coaching-Report von Christopher Rauen, im Blog think.work.different und bei Twitter.
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Herr Väth,
ich schätze Ihren Artikel, da Sie ihn so spitz positionieren, dass die Leser dazu aufgefordert werden zu handeln an kritischen Schaltstellen im Unternehmen. Steter Tropfen höhlt den Stein und was Sie sagen, muss in der Tat wiederholt gesagt werden, damit ein Umdenken in so vielen Köpfen stattfindet.
Dennoch glaube ich, dass der Einzelne einiges machen kann. Wie in einem anderen Kommentar geschrieben, finde ich es wichtig, die eigenen Ziele und Werte zu hinterfragen und wie sehr sie gelebt werden.
Zudem hat Burnout ja viele unterschiedliche Gründe, nicht nur den Zwang unternehmensseits, sondern auch Andockstellen bei mir selbst und Verhalten meiner Umwelt. Ein paar der Ursachen und daher Ansatzstellen, die ich daher noch sehe und Anregungen dagegen anzugehen:
1. Mobbing / Manipulation (offen ansprechen, Verbündete suchen, Strategien entwickeln wie “auf Durchzug schalten”, kleine Siege um sich das Gefühl der Kontrolle zu behalten. Lernen Sie gängige Manipulationsstrategien kennen. Das Verstehen und aktive Benennen nimmt den Angreifern den Wind aus den Segeln und bietet ein wichtiges Ventil.)
2. Überdenken des eigenen Wertekatalogs und Anspruchdenken an finanzielle Sicherheit (manche Dinge loslassen, nicht die grundlegende Sicherheit, aber vielleicht ein bisserl Komfort, der an anderer Stelle zu viele Zwänge erzeugt)
3. Zu viel auf die eigenen Schultern laden lassen – auch andere in die Pflicht nehmen. Die Umwelt wird vermutlich protestieren, plötzlich ist man nicht mehr so pflegeleicht, doch das entschiedene NEIN sagen hat seine deutlichen Vorteile und das Kämpfen für diese Freiräume lohnt sich wirklich.
4. Realistische Szenarioplanung, um der eigenen Panik-Kopfwelt vorzubeugen (was passiert wenn… ich diesen Job nicht mehr habe… Was dann? Wie kann ich mich dann finanzieren? Wie kann ich zurückschrauben? Wo werde ich glücklicher? Wie kann ich das realisieren? Wieviel macht mich an der aktuellen Situation wirklich noch glücklich?)
Für alle Punkte m.E. wichtig: das Bewusstsein, wenn ich will, kann ich gehen, trotz aller Punkte die dagegen sprechen – meine Gesundheit ist mir wichtiger. Diese innere Freiheit ist entscheidend, denn Burnout und Mobbingopfer fühlen sich häufig GEFANGEN, ob nun im Hamsterrad (der “Rat Race”), durch Geldsorgen oder Imageansprüche des Umfeldes o.ä. All diese Punkte höre ich immer wieder. Doch all das LOSZULASSEN bedeutet den ersten Schritt in Richtung Erleichterung, Heilen und womöglich sich selbst zu vergeben, wenn der Druck zu groß geworden ist und die allmächtige Angst vor dem Gesichtsverlust den Tunnelblick immer weiter verschärft.
Wer in diesem Tunnel fest steckt, der kann viel durch selbst hinterfragen erreichen, um aus dieser erdrückenden Enge wieder raus auf die grüne Wiese zu kommen.
Doch erneut: ich gebe Ihnen recht, dass die Überforderung am Arbeitsplatz und somit die äußeren Zwänge immer größer werden und inzwischen sich ins Lächerliche überhöhen. Zu einem Zeitpunkt habe ich 4 Jobs gleichzeitig gemacht. Das stank mir deutlich! Auch Multitasking ist ein krankes Konzept.
Danke für Ihr Engagement!