Speed Coaching, ach Gottchen
02.11.2009Anders kann man es nicht sagen. Da fällt mir auch nichts Differenzierteres ein. Speed Coaching ist Schrott und im besten Fall – wie bei Sabine Asgodom – nette Publicity in eigener Sache. Nun bringt der SPIEGEL den Selbstversuch und beschreibt einen Abend beim “Speed Coaching”. Es stehen fünf “Coaches” zur Verfügung, die man der Reihe nach durchmacht. Die Coaches sind (Achtung, anschnallen!):
- Personalleiterin (immerhin)
- Irgendwas im Öffentlichen Dienst (Aussage verweigert, sagt eigentlich schon alles)
- Arbeitsloser Buchhändler
- Politikwissenschaftler
- Pädagogin
Nun kommen Coaches ja aus verschiedenen Fachrichtungen. Doch die Qualifikation der Anwesenden scheint so daneben, dass sich auch die Autorin wundert, “was die Coaches überhaupt als solche qualifiziert. Sie alle haben sich bei einem Coaching-Seminar kennengelernt und gehen, außer Reinhard, derzeit einem Beruf nach, der mit Lebensberatung wenig bis gar nichts zu tun hat.”
Wenn ich dann auch noch drittklassige Ratschläge (in diesem Fall tatsächlich “Schläge”) aus einem Coach-Mund höre wie diesen: “Wenn du gern dein Ding machst, aber eine Bürostruktur vermisst, mach doch ein Sarah-Team auf! Such dir Leute, mit denen du zusammenarbeitest, sei aber die Chefin!”, dann kräuseln sich mir doch alle Brusthaare.
Professionalität: Null. Dafür wäre ja auch keine Zeit. Und das ist dann “Coaching”! Und auch noch im “Spiegel”! Sorry, aber mit solchen Hanswursten will ich nicht in einen Topf geworfen werden und auch nicht die leider ungeschützte Bezeichnung “Coach” teilen.
Die Autorin schließlich zieht ein logisches Resümee: “Mehr als ein Handvoll Anregungen habe ich nicht erwartet und auch nicht bekommen.” Für zehn Euro hätte man auch schön ins Kino gekonnt. Aaahhhh, wo ist die Axt?
[via Henri Apell]
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Ich hatte das Thema Speed-Coaching neulich als Witz während einer Coaching Ausbildung gebracht, es bleibt mir fast die Spucke weg, daß es nun wohl Wirklichlkeit ist…………
Kann sowas nur als einen Auswuchs bezeichnen, vermutlich läuft auf RTL bald “Deutschland sucht den Super-Coach”………brrrrrrr
Hier ist wieder einmal gesunder Menschenverstand gefragt. Kann ich im Zeitraum von 10 Minuten mein Anliegen soweit erläutern, daß ich anschließend von jemanden mit zweifelhafter Ausbildung oder ungenügenden Kenntnissen eine hilfreiche Antwort erhalte? Möglicherweise wären die 10 Euro für das Speed Coaching bei einem Wahrsager ebenso gut investiert gewesen.
Ich habe die Idee des Speed-Coachings mit ein paar Kollegen ebenfalls sehr kontrovers diskutiert. Nun haben wir jedoch die Vorstellung, das Format von den Personen einmal zu trennen und der Möglichkeit der Kurzintervention einen professionellen Rahmen zu geben. Wenn man das Thema etwas differenzierter betrachtet, ergeben sich neben den Einschränkungen meines Erachtens auch viele Chancen. Wir gehen den Versuch ein: am 18. Februar 2011 starten wir in Bielefeld mit vier ausgebildeten Coaches den ersten Speed-Coaching abend dieser Region mit professionellem Rahmen. Seien Sie doch erst einmal willkommen, bevor Sie die Idee endgültig in den Boden stampfen. Die Kurzzeittherapie gäbe es auch nicht, wenn man den Meinungen der konservativen Tiefenpsychologen gefolgt wäre. Die Veränderung des Fokus kann schon die Lösung sein. Es lebe Steve De Shazer!
@Armin Hering
Ich bin ernsthaft gespannt, wie Ihr Speed Coaching – Versuch ausgeht. Vielleicht wird es ja ein großer Erfolg. Wie wäre es, wenn Sie darüber in Ihrem Blog einen Artikel schreiben und mit einem Trackback hierher verlinken?
Mein Ansatz ist zwar etwas kritischer, was Speed Coaching angeht, aber meine Leser sollen sich umfassend informieren können. Dazu gehören auch gegenteilige Meinungen.
Ich werde gerne berichten. Den kritischen Blick scheuen wir keinesfalls, da wir ja diese Form nicht als Segensbringer verstehen, sondern als Form, Möglichkeiten der Intervention besser abschätzen zu können. Die Aussage, für Coaching brauche man generell viel Zeit, erscheint mir zu pauschal.