Sinn und Unsinn von Coach-/Trainer-Portalen
10.07.2009Als ich letzte Woche in Wiesbaden einen Vortrag zum Web 2.0 gehalten habe, wurde unter anderem kräftig über die Sinnhaftigkeit von Coach- und Trainerportalen diskutiert. Meine Erfahrung dazu ist eindeutig: Ich habe über reine Coach- oder Trainerportale noch keinen einzigen Auftrag generiert. Diese Erfahrung ist mir übrigens unter der Hand auch von anderen Coaches und Trainern bestätigt worden. Warum ist das so?
- schmoren meiner Meinung nach Trainer, Dozenten und Coaches auf solchen Portalen im eigenen Saft. Wer soll sie denn dort engagieren? Andere Trainer und Coaches wohl kaum. Folgerung: Als Coach und Trainer sollte man Plattformen nutzen, auf denen gerade keine oder wenige Coaches und Trainer gelistet sind.
- verhindert die schwachbrüstige Mitgliederzahl ein florierendes Geschäft. Auf Dozentenscout sind es beispielsweise knapp über 200 Mitglieder. Jetzt stelle ich mal die 7 Millionen bei XING gegenüber. Noch Fragen?
- müssen Personalentwickler und ähnliche Zielgruppen dieser Welt erstmal die entsprechenden Plattformen a) kennen, b) ansurfen und c) sich die Mühe machen, dort zu recherchieren. Meiner Erfahrung nach scheitert es bereits bei a). Case closed.
Weiterhin habe ich letztens bei Twitter einen klugen Satz gelesen: Erfolgreiches Marketing zeigt sich nicht nur in den Maßnahmen, die man wählt, sondern auch in denen, die man unterlässt. Daher habe ich in dieser Woche mal tabula rasa gemacht und mich aus folgenden Portalen verabschiedet und mein Profil löschen lassen:
- Dozenten-Börse
- Dozentenscout
- ecademy
- Trainerauskunft
- Marktplatz Mittelstand, unternehmer.de
- Seminaranzeiger.de
Ich setze bewusst keine Hotlinks, da ich wie gesagt von der im Titel angesprochenen Sinnhaftigkeit dieser (und ähnlicher) Portale nicht (mehr) überzeugt bin. Ganz abgesehen davon, dass ich grundsätzlich nicht bereit bin, nach einer Kosten-/Nutzenabwägung für solche Nischenportale monatliche Gebühren zu bezahlen.
P.S. Ich glaube übrigens nicht, dass meine PageRank-Abwertung etwas mit dem Ausstieg aus diesen Portalen zu tun hat; so schnell ist Google auch wieder nicht. Außerdem lande ich bei den Keywords “coach nürnberg” immer noch auf Seite 1, Platz 1 oder 2 (Test vom 10.07.). Eher vermute ich meine Verlinkung auf teliad als den Schlüssel dazu. Da ist aber noch ein wenig Recherche notwendig.
Wie stehen SIE zu spezialisierten Portalen? Haben Sie als Coach oder Trainer über diese Portale hartes Geschäft erzeugt? Und wenn, wie?
Artikel, die Sie interessieren könnten

Jahrgang 1975, Diplom-Psychologe mit Hang zur IT, Coach, Autor und hoffnungs- loser Jazz-Fan. Motto: "Es gibt im Leben nur einen richtigen Weg: den eigenen."
Guten Tag, solche Portale halte ich als Medium für die Auftragsgewinnung für quatsch. Er bewegen sich Menschen mit gleichen Interessen, ähnlichen Angeboten die zu ähnlichen Konditionen angeboten werden. Das was hier stattfindet ist Branchen-Inzest in reinster Kultur. Oder anders gesagt, ein solches Portal ist ein wenig wie Selbstbefriedigung.
Ähnliches gilt natürlich auch für manche Vereine, Verbände oder Interessengemeinschaften.
Jemand der konkret auf der Suche nach Trainers ist wird hier kaum nachsehen. da gibt es andere Quellen, die sehr viel attraktiver sind.
Sehr geehrter Herr Väth,
Als Vertreter einer der von Ihnen gescholtenen Plattformen, möchte ich Ihnen folgendes zu bedenken geben:
1. Die Anmeldung auf einem Portal an sich, generiert nicht automatisch gleich Aufträge. Sich nach erfolgtem Anmelden direkt in passive Erwartungshaltung zu begeben, mag zwar geeignet sein, um genügend Unmut für solch einen Artikel hier zu sammeln – erfüllt jedoch wohl kaum den Sinn einer aktiven Eigenvermarktung.
2. Ihre Folgerung: „ Als Coach und Trainer sollte man Plattformen nutzen, auf denen gerade keine oder wenige Coaches und Trainer gelistet sind“ macht auch nur dort Sinn, wo Personen selbst und aktiv Kontakte und Portale nutzen um Auftraggeber zu suchen. Es macht auch nur dort Sinn, wo es Portale der eigenen Zielgruppe gibt – die man ebenfalls erst einmal suchen und finden muss. Wenn ein Personalentwickler jedoch zum Beispiel einfach nur auf Google nach Dozenten sucht, wird dieser auch direkt über unsere Plattform stolpern. Ihm dann den Intellekt absprechen zu wollen, die Suche zu verwenden, ist Ihnen überlassen. Letztlich darf auch nicht vergessen werden, dass man, um gefunden werden zu können, auch such- und auffindbar sein muss.
3. Der Faktor Networking wird von Ihnen unterschlagen. Sie geißeln den Umstand, dass auf ein inaktives Profil keine Reaktionen erfolgen und vergessen dabei, dass es neben der eigenen Präsentation auch darum geht, eine Anlaufstelle für den Kontakt zu Gleichgesinnten zu bieten. Wo könnten Sie das sonst, außer auf “Nischenportalen”?
4. Die von Ihnen genannten Mitgliederzahlen dürfen Sie gerne mal 50 nehmen und kommen dann in etwa in den tatsächlichen Bereich hinein – und auch der Vergleich zu Xing hinkt dabei gewaltig. Bei Dozentenscout sind es Trainer, Coaches und Dozenten, die sich registrieren – bei Xing jedoch finden Sie vom Werkstudenten bis hin zum Vorstandsvorsitzenden einen kompletten Querschnitt aus dem Berufsleben. Sicher könnte man Kürbisse mit Äpfeln vergleichen. Fraglich bleibt, wie sinnhaft dies ist.
5. Pageranking ergibt sich auch aus der Qualität der Backlinks und Sie würden sich wundern wie schnell Google ist. Da ihre Seite schon gut verwoben ist, dürfte das Fehlen eines guten Backlinks nicht so sehr ins Gewicht fallen. Die Auswirkungen bei weniger optimierten Seiten dürfen Sie sich jedoch gerne ausmalen.
Keiner der genannten Dienstleister verspricht ein Allheilmittel gegen Auftragslosigkeit zu sein. Diese Portale sind Werkzeuge zur Selbstvermarktung und Drehkreuze für den Internetverkehr zu den Seiten und Profilen ihrer Nutzer – man muss diese eben auch zu nutzen wissen und darf nicht mit falschen Erwartungen an diese herangehen.
Mit weihnachtlichen Grüßen
Kei Harasaki
Hallo Herr Harasaki,
vielen Dank für Ihren ausführlichen Kommentar und Ihre Darstellung der Dinge. Es bleibt natürlich jedem Coach und Trainer überlassen, ob er “Nischenportale” für seine Vernetzung und Vermarktung wählt. Zu einigen Ihrer Statements möchte ich jedoch Stellung nehmen:
Zitat:
“Die Anmeldung auf einem Portal an sich, generiert nicht automatisch gleich Aufträge. Sich nach erfolgtem Anmelden direkt in passive Erwartungshaltung zu begeben, mag zwar geeignet sein, um genügend Unmut für solch einen Artikel hier zu sammeln – erfüllt jedoch wohl kaum den Sinn einer aktiven Eigenvermarktung.”
Sie haben sich selbst bei XING mein Profil angesehen. Daher wissen Sie, dass ich dort mit über 730 Kontakten, 2 Gruppenmoderationen und zahlreichen Forenbeiträgen vertreten bin. Mit diesem Wissen finde ich es seltsam, mich in die Ecke einer “passiven Erwartungshaltung” zu stellen, die mich “Unmut sammeln” lässt.
Zitat:
“Wenn ein Personalentwickler jedoch zum Beispiel einfach nur auf Google nach Dozenten sucht, wird dieser auch direkt über unsere Plattform stolpern. Ihm dann den Intellekt absprechen zu wollen, die Suche zu verwenden, ist Ihnen überlassen.”
Nette Anspielung, leider völlig daneben. Ich setze mich selbstverständlich mit Personalern auseinander und frage sie einfach, woher ihre Dozenten, Trainer und Coaches denn kommen. Daher weiß ich aus erster Hand, dass die meisten von ihnen solche Plattformen wie Ihre schlicht nicht benutzen.
Zitat:
“Die von Ihnen genannten Mitgliederzahlen dürfen Sie gerne mal 50 nehmen und kommen dann in etwa in den tatsächlichen Bereich hinein.”
Wenn es denn tatsächlich inzwischen rund 10.000 Nutzer sind (was ich – ganz persönlich – schlicht nicht glaube), freue ich mich für Sie. Ich habe, als ich den Artikel schrieb, einfach alle Seitenübersichten der gemeldeten Nutzer Ihrer Plattform durchgeklickt, als ich deren Zahl bestimmt habe. Und das waren nun mal ca. 200.
Empfehle meine Strandlektuere zum Thema Innovation und Verbindung mit Kunden.
MAVERICKS AT WORK, William C. Taylor und Polly LaBarre,
empfohlen von Tom Peters.
Froehliche Weihnachten und einen guten Rutsch ins WM Jahr
Wie sind denn dieses Jahr die Modefarben der Schaufenster in Nuernberg? Nach Kopenhagen, bestimmt mit viel Grau!
Hallo Herr Schaeffer,
die Farben gehen ziemlich zum Lila dieses Jahr. Ich bin noch nicht zum Fotographieren gekommen, aber wenn ich mit meiner Frau durch die Läden streife, bekomme ich schon die eine oder andere Gänsehaut.
Und die WM wirft tatsächlich ihre Schatten voraus. So haben wir uns nach mehrjähriger Abstinenz doch tatsächlich einen Flachbild-Fernseher angeschafft. War gar nicht so einfach. Der gute Mann bei TeVi hatte aber sehr viel Geduld mit uns…
Hallo Herr Schaeffer,
ich glaube auch, dass über solche Portale nur wenig Kunden kommen. Ein Vorteil ist, dass ein Backlink von solchen Seiten bei Google als hochwertiger angesehen wird, da es dort mehrere Beiträge zum Thema Coaching gibt. Anders als bei allgemeinen Web-Portalen.