Rolex-Werbung
25.08.2009Kaum öffnete ich heute morgen meine müden Äuglein, fiel mir auf der Rückseite des manager magazins eine ganzseitige Rolex-Werbung auf.
(Um Irritationen vorzubeugen: Das mm lag bei mir auf dem Frühstückstisch. Ich wohne (noch) nicht in der Bahnhofsmission, sodass ich sozusagen aus dem Bett gleich in den Zeitungskiosk fallen würde. Von einigen autistisch-aggressiven Ausbrüchen abgesehen, hat das mm nämlich eine ziemlich gute Schreibe und findet klare Worte.)
Egal, jedenfalls finde ich diese Rolex-Werbung auf der Rückseite des Magazins. Dort ist ein Mann, offensichtlich ein – mir unbekannter – Golfer abgebildet, der lasziv? herausfordernd? stoned? in die Kamera schaut. Der neben ihm abgedruckte Text lautet:
M. K. [Name von mir gekürzt] – Golftalent von Weltformat. Brillant sein Spiel, glanzvoll seine Siege. Sein Können beeindruckt die Kritiker, sein Ehrgeiz inspiriert die nächste Golfgeneration. Grenzen hindern ihn nicht, sie motivieren ihn. Rolex – die Krönung des Erfolgs.
Meine Gedanken zu diesem Text waren:
- Was für ein epischer Bullshit ist das denn.
- Was denken sich Werbefuzzis heutzutage bloß aus?
- Hoppla, genau das haben sie ja gemacht, sich diesen Bullshit wissentlich ausgedacht. Aber warum?
Vermutet, dass in der verantwortlichen Agentur nicht nur koksig-burschikose content deliverer sitzen, sondern kluge Leute, die wissen, wie man eine Zielgruppe von Managern, Führungskräften, Unternehmern und anderen den Höchststeuersatz zahlenden Personen bedient. Und weiter vermutet, dass diese Zielgruppen (neben unausgeschlafenen Psychologen) das mm lesen: Finden diese Zielgruppen den Werbetext gut? Bar jeder Subtilität, mit einer völlig unironisch-platten Variante von “mein Haus, mein Boot, meine Zimmerpflanze?” Ich hoffe nicht.
Andererseits drückt der Text ja ziemlich gut aus, was das Image von Rolex inzwischen ausmacht: kein elegantes Understatement, sondern der “slap in the face”: Ich habe Geld und zeige es auf direkte, fast brutale Art, egal was andere von mir denken. Wäre schön, wenn die Werbung wenigstens eine Spur Sympathie mit dem Produkt übrigließe. Das ist zumindest bei mir nicht der Fall.
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Jahrgang 1975, Diplom-Psychologe mit Hang zur IT, Coach, Autor und hoffnungs- loser Jazz-Fan. Motto: "Es gibt im Leben nur einen richtigen Weg: den eigenen."
See http://www.jameslist.com (e-bay for the rich – trading of used models): http://www.jameslist.com/brands/rolex
Read Who wears Rolex watches:
… perfect for a novices watch lover hesitant for making a purchase decision.
Probably the ad is for them, the novices.
mfg
Hans Schaeffer