Quelle-Insolvenz: Was Mitarbeiter jetzt tun können

Es gibt zeitliche “Zufälle”, die sind unheimlich: Letzte Woche gab ich der SZ ein Interview über Entlassung und berufliches Scheitern. Diese Woche platzt die Bombe der Quelle-Insolvenz.

Als Nürnberger blutet mir natürlich das Herz. Ich will aber nicht groß ins allgemeine Lamento einsteigen, sondern eine kurze Liste mit Tips vorlegen, die betroffenen Mitarbeitern weiterhelfen.

  1. Geben Sie sich Zeit für Wut und Trauer. Und wenn es nur einige Tage sind. Machen Sie ein Kreuzchen für ein festes Datum im Kalender und sagen sich: “Bis da und dahin denke ich nicht über Bewerbung und die Zukunft nach. Die Zeit brauche ich für meine emotionale Balance.” Oft sind Mitarbeiter 8, 10 oder gar 20 Jahre bei einer Firma. Es ist illusorisch zu glauben, man könnte gleich emotional unbeeindruckt weitermachen.
  2. Stellen Sie einen Finanzplan auf. Machen Sie Kassensturz und stellen Sie alles auf den Prüfstand, jede Ausgabe. Am Ende steht eine Zahl X. Die Zahl X ist der Geldbetrag, den Sie monatlich brauchen, für das Allernötigste, den Überlebensstandard. Jetzt nehmen Sie die Zahl X mal der Monate, die Sie so im Notfall überbrücken wollen (im Normalfall: 6). Jetzt haben Sie den Betrag, den Sie brauchen, um 6 Monate durchzuhalten, falls niemand aus ihrer Familie ein anderes Einkommen hat. Eine Maßzahl. Prüfen Sie: Haben Sie das Geld? Wenn ja: gut so. Wenn nein: Reduzieren Sie das “Allernötigste” oder reduzieren Sie die Zahl der Monate. Manchmal mindert sich so eine diffuse Finanzangst, wenn eine klare Zahl auf dem Papier steht.
  3. Sehen Sie das Arbeitsamt als Partner. Ich weiß, das fällt unter Umständen schwer. Dort steht weiß Gott nicht alles zum Besten. Trotzdem: Befreien Sie sich mental von den vielen gehörten Schauergeschichten und machen Sie sich klar, dass die Sachbearbeiter dort im Regelfall dasselbe wollen wie Sie: dass Sie einen neuen Job kriegen, und das möglichst schnell.
  4. Entwerfen Sie eine Strategie mit persönlichen Zielen. Widerstehen Sie dem Impuls, mit schlechten, weil hastig zusammengezimmerten Bewerbungsunterlagen ziellos in der Gegend herumzuspammen. Setzen Sie sich zusammen mit Ihrem Partner hin und fragen sich: Ist das vielleicht der Zeitpunkt für eine generelle Wende in unserem Leben? Falls nicht: Wie wollen wir diesen Einschnitt nutzen, um Beruf und Familie zu gestalten? Und schließlich die drei Grundfragen jeder Berufsplanung: Was kann ich? Was will ich? Was braucht der Markt?
  5. Seien Sie professionell. Als Bewerber wollen Sie was von den Unternehmen. Also machen Sie es ihnen leicht. Mit guten Dokumenten, Erreichbarkeit über Email, Festnetz und Handy und einer ausgeprägten Dienstleistungsmentalität. Bereiten Sie sich auf Bewerbungsgespräche sehr gut vor. Wenn Sie sich nicht beraten lassen wollen, gibt es viele gute Literatur über Bewerbung im Netz oder im Buchhandel. Machen Sie Gebrauch davon. Man bewirbt sich nicht “nebenbei”. Sehen Sie es als vollwertiges Projekt.
  6. Bleiben Sie dran. Es gibt den Spruch: “Hartnäckigkeit schlägt Talent”. Das stimmt nicht immer, aber jetzt machen Sie Vertrieb in eigener Sache, und die besten Vertriebler haben nicht nur Geschick, sondern auch einen sehr langen Atem. Den werden auch Sie im Bewerbungsprozess möglicherweise brauchen.
  7. Tanken Sie auf. Bewerben kostet Energie, einfach weil diese Art der Arbeit ungewohnt ist. Und wer würde sich schon als “professioneller Bewerber” bezeichnen? Daher machen Sie am besten immer wieder Pause, in Ihrer Familie oder bei einem Hobby.

Zu all den Quelle-Leuten, die dies lesen, sage ich: Auch wenn im Moment Ihre Welt einstürzt: Auch dies wird vorübergehen. Wie eine Welle nicht ewig über Ihren Kopf donnert, wird auch diese Welle auslaufen und Sie werden wieder ruhiger werden.

Ich wünsche Ihnen Klarheit, Mut, Gottvertrauen und eine Familie im Rücken, die Sie stärkt.

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Datum: 21.10.2009 | Trackback-URL  | Artikel als PDF

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