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 Alltagsnotizen eines Psychologen



Psychologiestudium – Topf ohne Deckel

25.07.2008

Die FAZ greift ein Thema auf, welches meiner Meinung nach viel zuwenig in der psychologisch – akademischen Welt diskutiert wird: Psychologen, die frisch von der Uni kommen, sind für ihre Hauptbetätigungsfelder – Therapie und therapeutische Begleitung – schlecht vorbereitet.

Die eigentliche “Berufung” vieler Psychologen, als Psychologischer Psychotherapeut zu arbeiten, ist nur nach einer Zusatzausbildung von 3-5 Jahren und einem Investment von ca. 20.000 – 30.000 € möglich. So etwas kenne ich von keinem anderen Studium. Natürlich verrät man das den Studierenden am Anfang nicht. Wäre er sich darüber im klaren, dass seine Ausbildung nicht fünf, sondern mindestens acht Jahre dauert, würde er sich seine Studienwahl vielleicht noch einmal überlegen.

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Kategorie: Beruf & Karriere, Psychologie | Trackback-URL

4 Kommentare


  1. Hallo !
    Psychologen haben es sicher nicht einfach, aber es sollte der Fairness halber vorher offengelegt werden wie lange das Studium dauert und was es kostet. Vieleicht würde da die Spreu vom Weizen getrennt. Es gibt genügend Situationen wo z.Bsp. bei einer Tätereinschätzung es zu falschen Einschätzungen kam die sich später gerecht haben. Das kann bestimmt nicht nur ” Anfängern ” passieren, aber meiner Meinung nach wäre eine längere Ausbildung sinnvoll. Oder ?


  2. “Es gibt genügend Situationen wo z.Bsp. bei einer Tätereinschätzung es zu falschen Einschätzungen kam die sich später gerecht haben. Das kann bestimmt nicht nur ” Anfängern ” passieren, aber meiner Meinung nach wäre eine längere Ausbildung sinnvoll. Oder ?”

    Ich denke, eine längere Ausbildung ist nicht per se eine Garantie für höhere Qualität. Hinzu kommt, dass Täterbeurteilungen zum Schwierigsten in der psychologischen Arbeit überhaupt gehören. Hier kann der Erfolg höchstens in Wahrscheinlichkeiten gemessen weren; der menschliche Geist ist nunmal kein Uhrwerk.

    Übrigens ist interessant, dass gerade die schweren sexuellen Straftaten seit Jahren zurückgehen. Da die Medien jedoch Einzelfälle – die natürlich für sich genommen sehr bedrückend sind – sensationsgeil aufbauschen, entsteht beim Bürger der falsche Eindruck von Masse.

    Man kann die Wahrscheinlichkeit einer korrekten Tätereinschätzung erhöhen. Hierzu zählt meiner Meinung nach jedoch nicht unbedingt eine längere Ausbildung, sondern eine Reihe anderer Faktoren: tiefes, vielseitiges, theoretisches Wissen, enorme praktische Erfahrung, gesunder Menschenverstand und eine sehr hohe emotionale Intelligenz. Nicht zu vergessen eine gewisse Demut – ein Psychologe ist auch nur ein Mensch.


  3. Hallo !
    @ Markus:
    Stimmt natürlich auch, aber wäre es nicht auch so das wenn eine längere Ausbildung gemacht wird, das es dann evtl. auch qualitativ besser wäre ?
    Gruß Axel


  4. Ich sage jetzt mal: Nein. Nicht bei der aktuellen Situation. Es kommt darauf an, was in dieser verlängerten Ausbildung drin wäre.

    Zur Zeit sieht es so aus, dass die Phase der “Post-Studiumsausbildung” in der Regel eine therapeutische Zusatzausbildung ist: Verhaltenstherapie, Psychoanalyse oder ein von den Krankenkassen ähnlich anerkanntes Verfahren. Diese Zusatzausbildung führt zur Approbation und zur Krankenkassenzulassung.

    Natürlich ist in dieser Ausbildung Selbsterfahrung und auch ein Jahr Arbeit in der Psychiatrie enthalten. Besser wäre es jedoch, wenn das Psychologiestudium innerhalb der regulären fünf Uni-Jahre mehr und vielseitigere Praxisanteile hätte. Das ist bis jetzt viel zu theoretisch. Meine Meinung.

    Die fehlende Praxis hat auch noch einen weiteren Nachteil: Der Psychologie-Absolvent hat danach breite Grundlagen für diverse Tätigkeiten in der Wirtschaft oder im Sozialbereich. Mehr aber auch nicht (Psychologen gehören z.B. zu den bestausgebildeten Statistikern.) Zur Therapie fehlt ihm die lange, teure Zusatzausbildung. Zu vielen Jobs in der Wirtschaft fehlen ihm Praxis und BWL-Kenntnisse. So kann er im Grunde “nur” in eine nicht-therapeutische Beratungsfunktion gehen. Eine seltsame, unbefriedigende Zwitter-Situation.

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