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 Alltagsnotizen eines Psychologen



Persönliches Downsizing

18.08.2009

Ein Urlaub ist schon was Feines. Wenn man nicht gerade Gott näher kommt, während man sich in den Sitz eines Tuk Tuks krallt oder damit beschäftgt ist, keinen Schlag zu bekommen beim verzweifelten Versuch, den Laptop in die Steckdose des Hotelzimmers anzustöpseln, kann man sich tatsächlich zurücklehnen und sich Gedanken über Wesentliches machen.

Zum Beispiel über den Philosophen Sun Tsu. Der schrieb bereits vor über 2500 Jahren:

Es gibt Wege, die du nicht einschlagen solltest, es gibt Armeen, die du nicht angreifen solltest; es gibt Festungen, die du nicht belagern solltest; es gibt Gebiete, um die du nicht kämpfen solltest; es gibt Befehle der zivilen Regierung, denen du nicht gehrochen solltest.

Nun trifft es sich, dass ich nach meiner Rückkehr aus dem Urlaub zwei Online-Notizen von Kollegen vorfand. Der eine teilt mir mit, dass er unsere Kontaktverknüpfung über XING lösen wird. Nicht weil er mich im Verzeichnis der örtlichen Taliban gefunden hat, sondern aus Gründen des Downsizing. Er ändere gerade die Netzwerk-Strategie und schmeiße alle XING-Kontakte über Bord, die er eben nur so lala kenne. Das finde ich okay; schließlich sind XING-Kontakte nicht in Stein gemeißelt.

Der zweite Kollege teilt dasselbe Vorhaben einige Tage später mit, aber nicht in einer persönlichen Botschaft, sondern in seiner XING-Statusmeldung. Mit der vorausschauenden Entschuldigung, man solle nicht böse sein, wenn es einen im Zuge der Kontaktbereinigung “erwische”.

Wie passt das mit Sun Tsu zusammen?

Nun, ich hatte im Urlaub witzigerweise denselben Impuls, den meine beiden Kollegen hatten: Downsizing im Sinne von “Festungen, die man nicht belagern sollte”. Bei mir standen jedoch nicht meine XING-Kontakte im Fokus, sondern andere Online-Verknüpfungen, die ich zunehmend als Ballast empfinde.

Daher habe ich nun ebenfals mit Downsizing begonnen. Bislang umfassen meine Maßnahmen:

  • Löschen von über 50% meiner Internet-Bookmarks
  • Kündigen von Amazon Partners
  • Kündigen von Accounts: Feedblitz und anderen Online-Diensten
  • Raus aus diversen XING-Gruppen
  • Reduzierung der Twitter-Nutzung, Unfollow verschiedener Twitterer

Ich fühle bereits, wie meine Konzentration spürbar zunimmt. Mal schauen, was ich als nächstes entrümpele.

UPDATE

Hier gibt’s einen kleinen, feinen Artikel über die 10 kleinen, schmutzigen Geheimnisse von Social Media.

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2 Kommentare


  1. Ja. Aufmerksamkeit ist ein sparsames Gut. Siehe auch mein aktueller Tweet dazu: http://twitter.com/jochenadler


  2. Hi Jochen, wusste gar nicht, dass du meinen Blog liest, auf der anderen Seite des großen Teichs! Fühle mich geehrt.
    Und ich stimme zu: Aufmerksamkeit wird, obwohl immer wichtiger, eher seltener. Daher auch das unerträgliche personalisierte Mediengeschrei, das uns tagtäglich begleitet.

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