Ned gschimpft is gnug globd

12.08.2010

…, wie wir Franken sagen. “Nicht geschimpft ist genug gelobt” – wahrlich eine Weisheit aus dem Küchenpsychologie-Tornister überforderter Führungskräfte. Zu diesem Thema hat mich ein geneigter Leser auf einen dementsprechenden Artikel bei SPIEGEL Online hingewiesen. Allein das Foto dort wirkt, als habe sich eine SM-verwöhnte Bundeswehr-Truppe in einen Manifestum-Schrank mit Business-Klamotten verirrt und zielsicher die dunkle “Doomsday”-Kollektion ausgewählt. Yummie.

Im Ernst: Gelobt wird in Deutschlands Firmen noch immer viel zu wenig. Ein Grund liegt darin, dass wir während unserer Erziehung und Ausbildung weder daran gewöhnt werden, authentisch zu loben noch gelobt zu werden. Fragen Sie sich selbst: Wie reagieren Sie, wenn jemand zu ehrlich begeistert zu Ihnen sagt: “Das hast du toll gemacht. Vielen Dank. Ich finde das super!” Da stellt sich meist erst einmal reflexartige Verlegenheit ein und wir hören den inneren “erhobenen Zeigefinger”: Eigenlob stinkt! Wenn man also kein schlechter Mensch sein will, darf man Lob nicht annehmen, weil man es ja “nicht verdient” hat bzw. weil das “ja jeder getan hätte”. Eben nicht! Wie wollen Sie – oder Ihr Chef – authentisch loben, wenn Sie es nicht einmal aushalten, selbst gelobt zu werden? Erster Gedanke.

Zweiter Gedanke: Andere loben will gelernt sein. Nicht umsonst beklagen Arbeitnehmer, dass ihr Chef vom letzten Führungskräfte-Training “irgendwie verändert” zurückgekommen sei und jetzt versuche, “sich durch Lob ranzuschleimen”. In diesem Fall hat der Chef die Technik vielleicht vermittelt bekommen; ihm fehlt jedoch die Übung und das Talent, Lob richtig zu dosieren und glaubhaft rüberzubringen. Daher hier einige Tips fürs “Loben lernen”:

  1. Das richtige Maß. Wer bis jetzt nicht gelobt hat, macht sich unglaubwürdig, wenn er plötzlich nur noch verbale Gänseblümchen verstreut. Bauen Sie Ihre Lobesfähigkeit wie einen Muskel auf: nach und nach. Spüren Sie, wie Ihr Lob ankommt und lernen Sie daraus.
  2. Seien Sie konkret. Beziehen Sie Ihr Lob auf eine bestimmte Situation, Sachverhalt, Projekt etc. So kann der Empfänger nachvollziehen, was Sie meinen und muss sich die tiefere Bedeutung nicht selbst konstruieren.
  3. Die richtige Situation. Manchmal ist es besser, vor versammelter Mannschaft zu loben – zum Beispiel, um einem Mitarbeiter den Rücken zu stärken. Manchmal ist aber auch ein Feedback unter vier Augen zielführender – zu Beispiel, wenn man vermutet, dass sich aus diesem Lob ein längeres Gespräch ergibt.
  4. Behalten Sie Ihre natürliche Sprache. Benutzen Sie keine außergewöhnlichen Wörter. Warum? Ein Vergleich: Stellen Sie sich vor, wie Sie zum ersten Mal im Leben einen Anzug getragen haben. Es war ungewohnt, hat vielleicht gezwickt, und man fühlt sich ein bisschen steif und eingeengt. Mit der Zeit gewöhnt man sich aber an diese Kleidung, mag sie sogar und weiß, wann man sie tragen sollte und wann nicht. – Loben ist wie einen Anzug tragen: Sie müssen sich daran gewöhnen, bis es zu einem Teil Ihrer selbst wird. Erst dann werden Sie loben nicht mehr als außergewöhnlich empfunden, sondern als etwas, das zu Ihnen gehört.
  5. Lassen Sie sich Zeit. Wenn Sie Lob wie einen Anzug tragen, wird es zu etwas ganz Natürlichem. Erst das ist der Zeitpunkt, an dem Ihre Mitarbeiter nicht mehr argwöhnisch oder überrascht, sondern nur noch erfreut auf Ihr Lob reagieren. Weil sie gelernt haben, dass Lob nicht mehr Verstellung, sondern echtes Feedback bedeutet.

Wenn Sie wollen, schneiden Sie sich diesen Artikel aus und legen sie ihn auf Ihren Tisch (oder den Ihres Chefs :-) ). Beobachten Sie, was dieses neue Wissen um Loben und Gelobtwerden mit Ihnen macht.

Ach ja: Was sind Ihre Erfahrungen mit Lob?

Keine verwandten Artikel.

Kategorie: Management & Führung, Selbstcoaching | Trackback-URL

Kommentar schreiben

Abonnieren ohne einen Kommentar abzugeben