Motivation – eine unendliche Geschichte
Langsam bekomme ich den Eindruck, Motivation ist so etwas wie der Yeti der Wirtschaftspsychologie. Jeder kennt sie, manche glauben, sie schon gesehen zu haben. Aber wenn man nachforscht und eine Expedition losschickt (z.B. Coaches, Trainer oder den Hausmeister), ist sie nicht mehr da.
Na gut, gehen wir mal davon aus, dass sie existiert. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Auch ich habe dem Thema ja bereits einen Artikel gewidmet. Das Forscherteam um Noria, Groysberg und Lee hat nun einen neuen Ansatz entwickelt, um den Yeti (bzw. die Motivation) einzukreisen und zur Strecke zu bringen.
Nach ihrer Einteilung benötigt ein Mitarbeiter Motivation auf vier Ebenen: Belohnung & Erfahrung (ein Ziel erreichen), Gemeinschaft (sich in der “Herde” wohlfühlen), Sinnhaftigkeit der Arbeit (ich muss nachvollziehen können, was ich tue und wozu) sowie Fairplay (ich kenne und akzeptiere die Spielregeln und verteidige sie).
Eine lesenswerte Kritik hierzu findet sich in der Financial Times. Der Autor Stefan Stern nimmt das neue Modell zum Anlass, den Motivationsforscher Edward Lawrence Kersten ins Spiel zu bringen, der eine radikale Umkehr einfordert. Anstatt Geld für teure Motivationsmaßnahmen auszugeben, solle das Geld gespart werden – da es sowieso unmöglich sei, Mitarbeiter zu motivieren. Das klingt einerseits plausibel, hat aber andererseits etwas von gefährlichem Fatalismus. Nach dem Motto: Okay, wir haben’s versucht. Lassen wir’s.
Sorry, das kann’s nicht sein. Wie denn dann? Kersten hat sicher recht, wenn er externe Maßnahmen als potenziell sinnlos geißelt – wenn nicht gleichzeitig eine innere Veränderung stattfindet. Und die kann nur vom Management eingeleitet und vorgelebt werden. Wenn wir von Motivation sprechen, geht es auch um Vorbilder, Ethik im Unternehmen, dem – oh Gott, nicht schon wieder – Leitbild. Erst dann werden aus Führungskräften Führungspersönlichkeiten. Und diese individuelle Reifung kann man nicht aus Management-Büchern lernen.
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Es ist tatsächlich unmöglich, Menschen zu motivieren.
Denn Menschen sind motiviert.
Jeder von uns hat seine eigene – ganz individuelle – Motivstruktur, einzigartig wie ein Fingerabdruck.
Und wenn nun zu unserem Motiv ein entsprechender Stimulus kommt – d.h. ein individuelles Setting, dass zu unserem Motiv passt … dann entsteht Motivation … und hieraus Verhalten.
Meine Metapher ist die Pflegeanleitung von Topfpflanzen aus dem Blumenhandel.
Nehmen wir die Aloe Vera.
Hier sagt die Pflegeanleitung : Entwässerter sonniger Boden, bei mindestens 5 Grad C. Wenig düngen. Mäßig gießen.
Und nun liegts am Gärtner entsprechende Umfeldfaktoren zu schaffen.
Und nicht zu versuchen, es der Pflanze schmackhaft zu machen, doch unter der Kellertreppe im Vollschatten wachsen zu WOLLEN.
Daher ist es aus meiner Sicht notwendig, die individuelle Motivstruktur der Mitarbeiter ( und natürlich die eigene ! ) zu kennen – und im nächsten Schritt Kommunikation und Führung hierauf zu optimieren.
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