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 Alltagsnotizen eines Psychologen



managermagazin verreißt Heidelberger Druck

30.10.2008

Da ist ein Chef, der in der Krise nicht gleich Mitarbeiter entlässt. Der bei einer Spartenschließung Tränen in den Augen hat. Der ausschließlich in Deutschland produziert und viel Geld in die technische Entwicklung seiner Produkte steckt.

Jetzt denken Sie: Wow, ist doch super! Aber nicht für Ursula Schwarzer und Thomas Werres vom managermagazin. Sie machen in ihrem Artikel über Heidelberger Druck (mm 11/2008, S. 70-77) den Vorstandsvorsitzenden Bernhard Schreier so richtig fertig. Da ist vom “Kuschelkurs” die Rede. Davon, ein “einstiges Prunkstück” deutscher Wirtschaft “zum Sanierungsfall verkommen” zu lassen.

Die Autoren loben ausdrücklich Schreiers Vorgänger: Das ist ausgerechnet Hartmut Mehdorn, der die Firma in den Neunzigern radikal umbaute, Zukäufe nicht genügend prüfte und das Unternehmen mitten im Umbau Hals über Kopf für seinen neuen Posten bei der Bahn verließ.

Auch bemängeln die Autoren “drei verfehlte Ergebnisprognosen” innerhalb von zehn Monaten. Diese messerscharfe Bebachtung legt nahe, dass Frau Schwarzer und Herr Wesser offensichtlich keinen Fernseher haben und keine Zeitung lesen, da sie sonst von einem Phänomen namens “Finanzkrise” etwas mitbekommen hätten. Da passieren noch ganz andere Dinge als verfehlte Ergebnisprognosen.

Wer einen bodenständigen Chef einer weltweit angesehenen Firma öffentlich so ungespitzt in den Boden rammt, wie das die Autoren tun, hat offensichtlich einen zu großen Schluck aus der McKinsey-Managementmoden-Philosophie-Pulle genommen. Das ist eine Verkennung der Realität, der neuen Realität, für die man mehr braucht als schnelle Gewinnmaximierung und eine Management-Strategie des Bäumchen-Wechsel-Dich.

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Kategorie: Change, OE, PE | Trackback-URL

2 Kommentare


  1. Ich war mehrere Jahre in der Druckbranche im Einkauf tätig und kann nur sagen, dass meiner Ansicht nach der psychische Druck enorm ist. Verpackung ist ein Produkt, dass der Kunde als erstes in den Müll wirft. Deshalb darf es auch nix kosten. Schade, dass jemand, der einen fairen Umgang mit den Mitarbeitern pflegt, so zerrissen wird in seinem Beruf. Unfähigkeit sollte man so jemandem nicht vorwerfen, wenn jemand versucht auf andere Art und Weise Vorsorge für schwere Zeiten zu treffen.


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