Lost in Beliebigkeit: Warum ich meine XING-Kontakte reduziere
22.03.2010Im Moment reduziere ich meine XING-Kontakte stark. Auslöser ist das Information Overload Syndrome, über das ich schon früher berichtet habe. Was steht hinter meinem Strategie-Schwenk?
Bislang war ich bei XING eher ein Sammler als ein Jäger. Das heißt, wenn mich jemand in seine Kontakte aufnehmen wollte und nicht völlig schräg war, habe ich den Kontakt akzeptiert. Ich wiederum habe meine Kriterien, jemanden anzusprechen, relativ weit gesetzt. So bin ich am Schluss bei knapp unter 1.000 Kontakten gelandet – aus heutiger Sicht “way too much”. Ich fühle mich dabei nicht mehr wohl, da auch ein sinnvolles Kontaktmanagement immer schwieriger wurde.
Daher habe ich Leitlinien entwickelt, um Kontakte zu löschen. Grundsätzlich tendiere ich dazu, Kontakte rauszuschmeißen, wenn sie
- kein Foto haben (ist vielleicht subjektiv, aber ich will gerade in einem personalisierten Business-Netzwerk sehen, wem ich eine Nachricht schicke). Quid pro quo, Dr. Lecter.
- nur von 0-30 Kontakte haben, und das über einen Zeitraum von 2 Jahren und mehr. So jemand ist nicht an neuen Kontakten und Austausch interessiert. Wieso sollte ich es im Gegenzug sein?
- nur eine rudimentäre Vita posten, wenn überhaupt.
- eine Aktivität von weniger als 60% aufweisen. Das ist das Karteileichen-Syndrom: Wow, Netzwerk, hip, das mach ich auch. Aber dann nicht mehr reingehen, seit Merkel Kanzlerin ist.
- sich “CEO” oder “Geschäftsführer” nennen und in Wirklichkeit selbständige Freiberufler sind. Entweder sie blicken’s nicht, dass sie sich als “natürliche Person” gar nicht so nennen dürfen – dann fehlt Grundwissen der Wirtschaft, das ich voraussetze. Oder sie wollen aufschneiden – dann sollen sie sich woanders aufblasen, aber nicht bei mir.
- ein Foto oder Logo posten, dass sie für witzig oder kreativ halten, das aber einfach nur blöd ist (zum Beispiel ein vertikal gespiegeltes Portraitbild).
- meinem Image schaden können. Es gibt unseriöse Einzelfälle (MLM-Leute, Finanz”beratung” oder verkrachte Coaches (ja, auch das gibt’s)), mit denen ich als direkter Kontakt nicht in Verbindung gebracht werden will.
Im Gegenzug behalte ich Kontakte tendenziell, wenn sie
- mir schon einmal persönlich begegnet sind. Das ist für mich immer noch der Kern einer solchen Plattform: der “Kleister” der persönlichen Begegnung untereinander: auf Messen, mal auf einen Kaffee etc.
- eine aussagekräftige Vita haben.
- Ex-Kollegen sind.
- Führungskräfte oder qualifizierte Fachkräfte aus einem Konzern oder dem Mittelstand sind. Das ist meine Zielgruppe, und dafür ist XING eben auch da: Zum Geschäftemachen.
- mir aufgrund meiner Intuition kompetent und sympathisch erscheinen. Manchmal treffe ich eine soche Kontakt-Entscheidung rein aus dem Bauch heraus, trotz gegenteiliger rationaler Kriterien.
Im Moment habe ich meine fast 1.000 XING-Kontakte auf ca. 700 reduziert und bin noch nicht fertig. Es kann auch nicht mehr jeder meine XING-Kontakte sehen, sondern nur noch meine direkten Kontakte. Das Ganze ist ausgelegt auf eine deutliche Selektion bei gleichzeitiger Erhöhung der Kontaktqualität.
Wie nutzen Sie XING? Haben Sie eine Kontakt-Strategie?
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Jahrgang 1975, Diplom-Psychologe mit Hang zur IT, Coach, Autor und hoffnungs- loser Jazz-Fan. Motto: "Es gibt im Leben nur einen richtigen Weg: den eigenen."
Guter Schritt – werde ich übernehmen!
Grüsse
Diesen Weg hatte ich mir auch schon überlegt.
Geht uns genauso, deshalb haben wir schon vor 1 Jahr XING verlassen, denn zum Kontakten sind andere Kanäle besser geeignet. Nach über 4 Jahren zugehörigkeit hat sich weder ein nachhaltig interessanter Kontakt aufgebaut, noch eine Geschäftsbeziehung entwickelt. Außer Spesen nix gewesen
Aus heutiger sicht nutzen viele doch XING nur noch als Werbeplattform für die eigene Firma / Produkte etc.
Als Selbständiger finde ich in XING durchaus manchmal interessante Kontakte. Trotzdem gebe ich Ihnen recht, dass sich im Gegensatz zu den “Zielkunden” (von Selbständigen oder Pressediensten wie Ihnen) zuviele um die wenigen wertvollen Kontakte in großen Unternehmen oder KMU balgen. Das endet eben oft relativ eindimensional mit “hier bin ich, das kann ich, bitte bucht mich”. Ich persönlich schätze das Hecht-Karpfen-Verhältnis auf 20:80.
Lustige, aber sinnvolle Auswahlkriterien. Werde mich anschließen.