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 Alltagsnotizen eines Psychologen



Licht und Schatten auf der Coaching Convention 2009

06.04.2009

Sonntag, 18 Uhr. Ich sitze im Zug nach Hause. Draußen huscht die Landschaft vorbei. Zwei Tage war ich auf der Coaching Convention in Köln und will einen Erfahrungsbericht schreiben.

Die Convention lässt mich mit gespaltenen Eindrücken zurück. Was habe ich überhaupt erwartet? Ich wollte mich mit einigen Leuten treffen und ein paar Workshops mitnehmen. Und mal generell schauen, wie die Convention so abläuft.

Die Workshops
Was am meisten ins Auge fiel, war die höchst unterschiedliche Qualität der Vorträge und Workshops. Wirklich super fand ich Stefan Frädrich, Sabine Asgodom und Christa Schiffer am Samstag. Daneben gab es jedoch auch schlechte bis haarsträubende Auftritte, die vom professionellen Anspruch der Szene weit entfernt sind. Da habe ich mich durchaus mal gefragt: Hat jetzt der Referent was geraucht oder ich? Öffentlich dissen werde ich hier niemand, aber meine “schwarze Liste” ist um einige Namen reicher. Methodisch gab es für mich nichts wirklich Neues. Eine Erkenntnis: egal, wie groß der Name – man kocht auch nur mit Wasser. Andere sind nicht unbedingt darin besser, WAS sie tun, sondern WIE sie sich und ihr Produkt verkaufen.

“Der Coach als Marke”
Eine immer beliebte Debatte auf solchen Events: Der Coach-USP oder “die Marke” oder “Human Branding” oder was weiß ich. Meine Meinung ist, dass nicht jeder der zigtausend Coaches einen super USP erzeugen kann. Es muss auch den “Wald- und Wiesen-Coach” geben, der gute Arbeit leistet und nicht durch drei Nasen, die Hüpfburg als Coaching-Tool oder ähnliches Marketing auffällt.
Was ich persönlich nicht mehr abkann: den Begriff “FÜHRUNGSKRÄFTE-Coach”. Jeder coacht FÜHRUNGSKRÄFTE. Irgendwann sagt das auch die Klofrau in der Vorstandsetage. Wobei Klofrauen im Gegensatz zu manchen Coaches einer geregelten Beschäftigung mit nachhaltigem (auch so ein Wort), überprüfbarem Ergebnis nachgehen.

Organisation
Das Drumherum stimmte. Nettes Hotel, schöne Lage und eine sehr gute, geräuschlose Organisatin des Veranstalters. Hut ab. Kleiner Tip: Wer dort nicht € 18.- fürs Frühstück bezahlen will, kann 200m weiter bei Kamps für € 3.- frühstücken und kriegt noch ein bisschen Köln-Flair live dazu.

Zielgruppe
Für wen ist die Convention? Da muss man zwischen Ist- und Soll-Zustand unterscheiden. Dieses Jahr waren geschätzte 95% Coaches da (es gab einige Saal-Abfragen). So wird ein solches Event schnell zur Nabelschau. Und langfristig kann’s das ja auch nicht sein. Daher: Ran an die breite Masse. Hoffentlich gelingt das in den nächsten Jahren.

Fazit
Ich habe nette neue Kontakte geknüpft und kann wieder mehr Köpfe mit Kompetenz (oder auch nicht) verbinden. Ein schönes Hotel, ein Event mit Potenzial – wenn die Zielgruppe der “normalen Menschen” und der PEler erreicht wird.

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4 Kommentare


  1. Hallo Markus,

    zunächst mal schön, dass wir uns dort “live” kennen gelernt haben.

    Deinen Eindruck kann ich nur bestätigen. Viel Licht, aber auch viel Schatten.
    Zumindest bei einem Beitrag ist mir echt die Galle hochgekommen. Ich finde es ja schön, wenn man seine Botschaften gut verpackt. Aber wenn das Verhältnis von Verpackung und Inhalt bei ca. 99:1 liegt, dann muss ich sagen: brauche ich nicht.

    Mein persönliches Highlight war natürlich der Vortrag von NLP-Altmeister Bernd Isert.

    Hoffentlich bis demnächst,

    Nico


  2. Hallo Herr Väth!

    Herzlichen Dank für Ihre Eindrucksbeschreibung! Ja, die Coachingwelt ist voller Menschen..die so vielfältig sind wie die Welt an sich. Voller guter und professioneller Coaches und voller Schaumschläger … die AußenDarstellung der Coaches sagt zuweilen mehr über deren vertriebliche Qualitäten aus als über die Tiefe des Hilreich-sein-Könnens für die Anliegen des Coachees. Schade nur und fatal, daß es unseren Klienten da oft nicht leicht fällt den passenden guten Begleiter zu finden. Was wäre den ein wirkliches tatsächliches Qualitätskriterium? Eine passende Ausbildung, ein passendes Menschen- und Coachingverständnis, eine passende Haltung, passende Erfahrung…. wie kann ein suchender Klient dies auf einen Blick erkennen? Gewiss nicht am Kriterium “Mitgliedschaft in einem Coachingverband”… derer gibts es schon zu viele, und oft ist der Verband keine Qualitätsoffensive sondern eine schöne Einnahmequelle für die Gründer. Was hilft also dem Coachee? – Ich würde sagen: anrufen, Fragen stellen, ein oder zwei Stunden buchen, und dann weitersehen. Was meinen Sie hierzu?

    Herzliche Grüße aus München!
    Iris Fischer


  3. Hallo Frau Fischer,

    schön, hier von Ihnen zu lesen. :-)

    Ja, die Frage “Wie erkenne ich einen guten Coach” ist eine der Gretchenfrage in diesem Geschäft. Und die stellt sich nicht nur Privatleuten, sondern auch Unternehmen. Bei beiden Gruppen spielt der persönliche Eindruck eine, wenn nicht die entscheidende Rolle. (Ich habe mal eine Umfrage gelesen, nach der bei den Entscheidern in Unternehmen der “persönliche Eindruck der Coaches” mit 94% die wichtigste Rolle spielte Leider finde ich die Quelle nicht mehr.)

    Daher ist der von Ihnen beschriebene Weg – anrufen und dem Coach auf den Zahn fühlen – tatsächlich die beste Methode, würde ich sagen.

    Dennoch gibt es Faktoren, die das Pfeifen-Risiko eines Coaches zumindest verringern sollten:

    • Eine solide Coaching-Ausbildung. Natürlich gibt es da die unterschiedlichsten Blüten, aber einige Soll-Rahmenbedingungen habe ich in diesem Artikel beschrieben. Ein Negativ-Beispiel findet sich hier.
    • Einen “proven track record” des Coaches. Darunter fällt – zugegeben etwas unscharf – eine Ausbildung oder Berufserfahrung, die sich intensiv mit Menschen auseinandersetzt: Personalervergangenheit, Psychologiestudium, Zusatzausbildung in Transaktionsanalyse, Systemische Ausbildung, was auch immer. Jedenfalls nicht der menschenscheue Buchhalter, der schon ins Schwitzen kommt, wenn er beim Lidl an der Kasse steht.
    • Demut. Ein guter Coach weiß, dass er vieles nicht weiß. Dass jeder Mensch seine eigene Wahrheit bildet.

    Ich denke übrigens nicht, dass mit einer komplett standardisierten Ausbildung von Coaches das Qualitätsproblem vom Tisch wäre. Bei den Psychologen und Therapeuten gibt es auch genug Leute, die mit allen akademischen Urkunden an der Wand Mist bauen. Coaches arbeiten eben mit Menschen – eine unglaublich dynamische, komplexe und unvorhersagbare Arbeit.

    Wie Sie sehen, habe auch ich keine eindeutige Antwort auf die Qualitätsfrage. Wir können uns ihr nur von zwei Seiten nähern: einmal mit Rahmenbedingungen, die das Risiko verringern, einen schlechten Coach zu erwischen (siehe oben). Und zum zweiten mit dem persönlichen Gespräch zwischen Coach und Kunde, bei dem man sich ruhig auch auf seine Intuition verlassen sollte.


  4. so, spät aber jetzt kommt dann doch mal ein Kommentar von mir.

    Es ist gut, dass die CC – Licht und Schatten hat. Auf der CC wird an sich immer ein Spektrum von Coaching gezeigt und da gibt es aus meiner Sicht nichts vergleichbares. Es ist wichtig, dass Coaches sich so präsentieren können. Nur so können mögliche Kunden herausfinden, ob vielleicht ein passender dabei oder es lassen.

    Es gibt Referenten/ Coaches die sich selbst entlarven – das ist aber nicht mein Problem. Jeder ist für das was er macht selber verantwortlich und daran appelliere ich auch. Coaches haben auch Eigenverantwortung.

    Coaches können auch nicht wirklich etwas neues erfinden – da es immer noch um Menschen geht. Coaches können dem Coaching ihr Profil verpassen, ihren eigen Stil und das ist doch manchmal das spannenden an allem. Wir sehen jemande bei der Arbeit zu – als Kollege – lernen was oder auch nicht. Keiner kann neue Räder erfinden – wir malen diese höchstens bunter an.

    Die CC ist für JEDEN gedacht. Die Aussage, dass 90 % Coaches waren stimmt leider nicht . :-) Sorry Markus – ich habe die Zahlen
    Was wir hatten, waren dieses Jahr also 2009 – 50 % reine Coaches vor Ort, das ist eine Steigerung zu 2008, da waren es nur 25 %. Wenn du jetzt noch bedenkst, dass 2008, cirka 380 Personen an 2, 5 Tagen vor Ort waren und 2009 an fast 5 Tagen über 800 – an ist die Zahl an sich super. Unter der Berücksichtigung aber, dass 2009 nur 25 % Personaler oder Personen aus Unternehmen vor Ort waren und der Rest, waren einfach Coaching Interessierte. Dann zeigt , dass das wir für 2010 den MIX weiter fahren müssen und auch werden.

    Coaches und Berufs verwandte Gruppen
    Themeninteressierte Öffentlichkeit
    Wirtschaft

    Gerade die Wirtschaft wird 2010 stärker vertreten sein, da wir ein richtig grosse Messe parallel planen, wo sich auch Coaches nochmals präsentieren können. Dazu dann das Programm der CC wo bestimmt wieder für JEDEN was dabei sein wird.

    Also von daher sind wir auf dem richtigen Weg. :-) Auch das mit dem Essen wird vereinfacht und auch die Lokation – klappt von Jahr zu Jahr besser :-)

    Mein Schluss gehört den angesprochenen Qualitätsanspruch. Coaching braucht jede Menge Qualität. Dafür sind jedoch die Verbände zuständig. Ich achte darauf, dass Qualität auf den härtesten Prüfstand kommt, den es gibt , die Teilnehmern der CC.

    Und je mehr Coaches kommen, je mehr Öffentlichkeit kommt – desto besser.

    Auf bald in 2010 oder am 17 und 18. Juli in Wien :-) http://www.coaching-convention.de

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