Kleiner Exkurs zu Kernkompetenzen
04.08.2010Vor längerer Zeit hatte ich mich kritisch mit einem Artikel des manager magazins über Heidelberger Druck auseinandergesetzt. Damals bemängelten die mm-Autoren eine fehlende strategische Ausrichtung und – mitten in der Finanzkrise – verfehlte Ergebnisprognosen (den mm-Artikel gibt es mittlerweile als PDF-Download).
Heute hingegen baut Daniela Schröder von der Financial Times einen Artikel um die Firmen Vaude, Grünenthal und Heidelberger Druck – als Beispiel gelungener Konzentration auf die jeweilige Firmen-Kernkompetenz. Das bestätigt mich, dass meine Einschätzung von Heidelberger Druck hinsichtlich Mitarbeiter-Behandlung, Marktentscheidung und Strategie berechtigt war.
Interessant an an diesem Artikel ist die Herausstellung von Kernkompetenzen eines Unternehmens. Um das Bild eines Hauses zu bemühen: Wenn Produkte bzw. Dienstleistungen das “Obergeschoss” einer Firma sind, dann sind Geschäftsfelder das “Erdgeschoss” und Kernkompetenzen das “Kellerfundament”. Das bedeutet, man kann im Obergeschoss durchaus variieren. Vorher sollte man allerdings den Keller solide gebaut haben.
Manche Unternehmen kennen vielleicht gar nicht ihre Kernkompetenzen, sondern führen ihre traditionellen Geschäftsfelder und deren Produkte fort, ohne sich von Zeit zu Zeit zu besinnen. Im Extremfall muss hingegen das Haus vielleicht sogar ganz abgerissen und neu gebaut werden – siehe die langfristige Entwicklung von Nokia: vom Reifenhersteller zum globalen Handy-Anbieter.
Faszinierend finde ich, dass das Konzept “Kernkompetenz” übergreifend anwendbar ist – vom Fähigkeitsprofil eines Stellensuchenden über den USP von Selbständigen und KMU bis hin zur strategischen Debatte in Konzernen. Hier eine kleine Fragen-Anleitung, mit denen Sie sich auf die Suche nach den Kernkompetenzen Ihrer Firma machen können:
- Was würden unsere Kunden am meisten bedauern, wenn wir vom Markt verschwinden würden?
- Mit welchen fünf Wörtern beschreiben Sie den “Geist” Ihres Unternehmens?
- Würden Sie sich noch einmal bewusst für Ihre aktuellen Geschäftsfelder und deren Produkte / Dienstleistungen entscheiden? Wenn nicht, warum nicht? Was sagt das über den Zustand Ihres “Kellers” aus?
- Verordnet sich Ihr Unternehmen regelmäßige “Besinnungszeiten”, um außerhalb des Tagesgeschäfts über die strategische Ausrichtung nachzudenken?
- Können Sie sofort mindestens zwei Punkte nennen, die Sie von Wettbewerbern unterscheiden?
Wenn Sie sich in Ihrem Unternehmen im “Sommerloch” mit Ihren Kernkompetenzen auseinandersetzen wollen, arbeiten Sie im Team die obigen Fragen durch. Übrigens: Die Firma Smart hatte einmal das Konzept der Kernkompetenz perfekt in ihren Werbe-Slogan “reduce to the max” übersetzt. Auch interessant.
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Jahrgang 1975, Diplom-Psychologe mit Hang zur IT, Coach, Autor und hoffnungs- loser Jazz-Fan. Motto: "Es gibt im Leben nur einen richtigen Weg: den eigenen."