Keine Ratschläge im Coaching – ein sinnloses Dogma?

23.01.2009

Ratschläge im Coaching

Es ist ein vieldiskutiertes Thema der Coaching-Methodik: Darf ein Coach Ratschläge geben? Oder sind nur solche Lösungen sinnvoll, die der Klient selbst und “aus seinem eigenen Verstehensraum heraus” formuliert? Wo hört das sinnvolle Fragen auf und beginnt der “Eiertanz” des Coaches? So jedenfalls bezeichnet Ulrich Dehner das Phänomen, wenn Coaches ein durchaus zielführender Rat auf der Zunge liegt, sie ihn jedoch aufgrund des anerzogenenen Dogmas “Du darfst nicht ratschlagen!” nicht kommunizieren.

Dehner beleuchtet in einem wirklich beachtenswerten Artikel in den managerSeminaren objektiv das Für und Wider von Ratschlägen im Coaching. Er kommt zu dem Schluss, dass Ratschläge im Coaching durchaus angebracht sein können.

  • Zum Beispiel im Top Management – Coaching. Hier wollen Klienten oft Sparring und klare Meinungen, an denen sie sich reiben können. Lange Fragerunden passen nicht zu diesem Umfeld dieses “fast result driven approach”.
  • Ebenso kann ein sinnvoller Einsatz von Ratschlägen darin liegen, den Lösungsraum des Klienten zu erweitern, ihm eine völlig neue Variante seines Themas vor Augen zu präsentieren.

Natürlich muss ein Coach, daran kommt auch Dehner nicht vorbei, sehr sorgfältig prüfen, wann ein Rat gegeben wird und wie der Klient darauf reagiert. Kann er etwas damit anfangen? Will er ihn überhaupt? Oder lässt er den Coach in eine Verantwortungsfalle tappen, indem er ihn immer neue Lösungen vorschlagen lässt und diese ablehnt?

Summa summarum bedeutet die Möglichkeit, Ratschläge zu erteilen und “das Dogma zu brechen”, nicht, den Coach von anderen Meta-Kompetenzen zu entbinden: der Analyse des Gesprächs auf mehreren Ebenen, das Erspüren der jeweiligen Situation, was der Klient braucht, die Grundlage des Konstruktivismus. Aber sie gibt ihm mehr Handlungsoptionen und befreit ihn von unnötigen “Eiertänzen” – und schließlich ist das auch ein Ziel jedes vernünftigen Coachings.

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