Kann man Glücklichsein lernen?
19.09.2009Wie werde ich glücklich – dies ist eine von mehreren Fragen, die im Themenschwerpunkt der neuen Ausgabe von managerSeminare diskutiert werden. Auf acht Seiten wird die Glücksforschung vorgestellt und belegt, warum dieser Forschungszweig auch für die Beratungsbranche wichtiger wird. Einige Thesen des Artikels kurz zusammengefasst:
- Das Entwickeln eines “Glücksbewusstseins” wird zur Hälfte von unseren Genen bestimmt.
- Die “Begabung zum Glücklichsein” ist bei Frauen deutlicher stärker ausgeprägt als bei Männern.
- Ab einem gewissen Einkommensniveau steigert Geld nicht mehr das Glücksempfinden.
- Eigene Erwartungen (an die Zukunft, an andere Menschen etc.) sind mit die schlimmsten “Glückskiller”.
- Religion kann Glück befördern, indem das Leben im Hier und Jetzt – und nicht in der Zukunft – als Schlüssel zum Glück begriffen wird.
- Alle Glücksratgeber laufen auf die von Aristoteles geprägte Formel hinaus: “Suche die Mitte und das rechte Maß!”
- Gelungene soziale Kontakte sind mit die wirksamsten “Glücksverursacher” überhaupt.
- Wer glücklich sein will, muss die Opferrolle abstreifen und Verantwortung für sich übernehmen.
- Empfinden von Glück verbessert das Immunsystem.
- Um unsere gesellschaftlich geprägte Konzentration auf negative Dinge zu durchbrechen, sollten auf ein negatives Gefühl drei positive kommen.
- Glück ist lernbar.
- Glück ist ansteckend.
Bei Punkt 1 bin ich schwankend, Punkt 2 halte ich für Quatsch. Die anderen kann ich als Mensch und als Coach unterschreiben.
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Kategorie: Psychologie | Trackback-URL




Die Liste find ich gut.
No. 8 halte ich für Quatsch. Es gibt doch da dieses interessante Konzept der “Illusion der Unverwundbarkeit”, nach dem Motto des Soldaten, der denkt, die Kugeln treffen immer nur die anderen. Is aber nich so. Und es wäre auch eine Illusion anzunehmen, man könne alles im Leben kontrollieren, ergo: manches stößt einem einfach zu und dafür hat man NULL Verantwortung.
Für den Rest Verantwortung zu übernehmen, find ich natürlich klasse!
No. 6 und Aristoteles und die Mitte als Glück: ich empfehle den französischen Film “Ein perfekter Platz” (Fauteuils d’Orchestre), der genau dies mit Wonne beschreibt.
Und natürlich Eckart von Hirschhausens philosophisch-soziologisch-medizinische Sinnsuche nach dem Glück…
Pro Sit!
@Fira
Ich glaube, bei Punkt 8 geht es weniger um Schicksalsschläge. Natürlich kann niemand etwas für Unfälle etc. Ich interpretiere das so, dass ich für meine Glückssuche eher fragen muss: “Was kann ich für mein Glück tun?” als “Wer hat Schuld daran, dass es mir schlecht geht?”
Hallo Herr Väth,
mein Kommentar sollte lediglich ein Gegenpol zur Überschätzung des “ich habe mein Glück immer selbst im Griff” sein.
Ich denke, ich störe mich einfach an dem Begriff “Opferrolle”, er klingt mir zu dogmatisch unde erleichtert das Aburteilen einer Person, die aus verschiedensten Gründen in Not oder Nachteile geraten ist. Ich verstehe, dass Sie das Thema Schicksalsschläge hier ausklammern wollen. In Summe denke ich jedoch, dass diese einen wichtigen Kern der Menschen mit Unglückserleben ausmachen. Und sicher ist dies relativ, wenn ich mir ansehe, wie unterschiedliche Kulturen Pech oder Unglück definieren. Dennoch: ein Mensch, der in relative Armut wie Hartz 4 hineingeboren wird hat mit einem grundauf schwereren Schicksal (nicht Schlag) zu kämpfen als die Mittelklasse. Und obwohl diese Person deutlich mehr besitzt als z-B. Arme in Entwicklungsländern, so ist es doch das Gefälle, das die Musik macht. Die wahrgenommene Armut und das Ausgeschlossensein, die Häme im Vgl. zu Wohlbetuchteren. Sicher kann man sich hierüber mit einer positiven Einstellung erheben. Dennoch muss die Person auch Realitätssinn bewahren, sonst entbehrt die Einstellung jeglicher Bodenhaftung.
Es wäre sonst wie das dämliche “Law of Attraction” – dies jämmerliche Dogma, das man alles Unheil selbst anzieht und dafür verantwortlich ist. Klar, hunger sterbende Menschen sind selbst für ihr Schicksal verantwortlich… Nö. Ich will wohl sagen, dass “Opferrolle abstreifen” zu viele exogene Faktoren ignoriert, die ein Gesamtschicksal (nochmals: nicht Schlag!) beeinflussen. Und dafür gäbe es noch zahlreiche Beispiele mehr.
Selbst für den Schicksalsschlag. Ich betreue selbst Leute. Und leicht weist man dem “Opfer” (un)bewusst 50/50 der Schuld zu. Doch bei einem Psycho-/Soziopathen (ca. 4% der Bevölkerung) liegt die Sache anders. Sie erzeugen übermäßig Leid > 4% Bevölkerungsanteil (Mobbing, Gewalt, Korruption, Kriege, etc.) und die Verteilung der “Schuld” ist hier 0/100. Sie kennen sicherlich Hare, Babiak, Stout, etc.
Was ich sagen will: ich mag Ihre Texte, Herr Väth, der Begriff “Opferrolle” kann nur schnell programmatisch wirken und Menschen in ihrer Hilflosigkeit stigmatisieren, über die sie ohnehin kaum Einflussmöglichkeiten haben.
Beste Grüße,
(und viel Erfolg auf Xing)