Frames im Change Management
Gerade bin ich auf eine faszinierende Parallelitätstheorie gestoßen: den Frame-Mechanismus im Coaching, der sich auf Change-Prozesse in Unternehmen übertragen lässt.
Was meint Framing? Grob gesagt, bedeutet “einen Frame setzen” einfach den gedanklichen Fokus auf einen bestimmten Gegenstand legen. Frames sind unser Werkzeugkasten, mit denen wir die Welt aus unserer Erfahrung interpretieren. Je nach Situation ziehen wir einen oder mehrere Frames aus der Tasche und beurteilen die Situation oder unsere Umwelt entsprechend.
Wenn ich im Coaching also zu sehr problemorientiert arbeite, kann sich der “Problem-Frame” beim Klienten verfestigen und eine Lösungssuche erschweren. Ich muss mit dem Klienten “Lösungsframes” bilden und einsetzen. So weit, so gut.
Knifflig wird es, wenn ich im Sprachlichen einen Gegenstand oder Frame negiere mit “nicht” oder “kein”. Das ist das berühmte Beispiel vom rosa Elefanten. Die Anweisung “Denken Sie nicht an einen rosa Elefanten” führt zum Gegenteil. Man denkt an einen rosa Elefanten. Warum? Der Frame “Elefant” wird aktiviert, das Wort “nicht” verpufft, weil das menschliche Unterbewusstsein für eine Negation oder eben negative Wörter (“nicht”, “kein” etc.) Frames schlecht ausbilden kann. Ein Vakuum ohne Inhalt.
Jetzt zum Change Management. Die Autoren Oltmanns & Nemeyer diskutieren den Frame-Ansatz in ihrem neuen Buch über Change Management. Nach den Autoren muss das Management für die Veränderung unter anderem geeignete Leit-Frames finden, definieren und im Unternehmen durchsetzen. Im Gegensatz zum Coaching allerdings mit bewusst eingesetzter struktureller Macht. Dass daraus eine Ambivalenz mit herkömmlichen Change-Ansätzen entsteht, wird schnell sichtbar.
Das wissen die Autoren und provozieren bewusst. Ihr Buch dreht sich um die ignorierte Macht-Komponente in Change-Prozessen, die oft ausgeblendet wird und so vor allem horizontalen Konflikten auf den Führungsebenen Tür und Tor öffnet. Oltmanns und Nemeyer resümieren (S. 181): “Die Macht des Framings wird nicht nur unterschätzt. Sie ist [..] nicht einmal bekannt. Dabei sind Frames das ideale Instrument, um Change-Prozesse effizienter zu gestalten. [..] Im Framing dient Macht dem Allgemeinwohl.“
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