Keine Strategie: EMI baut Jobs ab
01.01.2008Das neue Jahr 2008 ist noch keine 24 Stunden alt, da erreichen uns bereits wohlbekannte Meldungen aus der Wirtschaft. So meldet der Musikriese EMI Umsatzeinbußen, die er mit Jobabbau und weiteren Restrukturierungsmaßnahmen in den Griff bekommen will.
Wie kaum eine andere Branche zeigt die Musikindustrie, in welche Schwierigkeiten Unternehmen kommen, die die Zeichen der Zeit nicht erkennen und sich nicht aus eigener Kraft verändern können oder wollen. Man glaubte bis weit über die Mitte der neunziger Jahre hinaus, sich auf der CD als Tonträger ausruhen zu können und ignorierte zu lange den Trend zur Digitalisierung – bis es zu spät war.
Doch anstatt die neuen Medien, verändertes Nutzerverhalten und das Phänomen des P2P-Filesharing konsequent zu nutzen und in Geschäftsmodelle einzubinden, startete man rüde Kampagnen zur Kriminalisierung der Zielgruppe, in Deutschland beispielsweise “Raubkopierer sind Verbrecher”. In den USA dagegen ist die RIAA dafür bekannt, auch kleine Verdachtsfälle rigoros zu verfolgen.
Abseits der Frage, wie weit legal oder moralisch vertretbar das Tun von Musik- und Film-Kopierern ist, zeigt der Umgang der Industrie mit ihnen eine große Hilflosigkeit. Der Punkt ist, dass durch eine versäumte Strategieentwicklung nun die allseits bekannten “Zaubermittel” aus dem Fundus der Unternehmensberatungen hervorgeholt werden, zuvorderst natürlich Stellenkürzungen zur Senkung der Fixkosten.
Es sind die Künstler, die kreativ neue Wege gehen und die alteingesessenen Branchenriesen in Zugzwang bringen. So hat Madonna ihr altes Label Warner Music verlassen und wechselt – nicht zu einem anderen Musiklabel, sondern zum Veranstalter Live Nation. Sie setzt auf einen Trend weg von der Konserve hin zu Live-Auftritten.
Ich warte gespannt auf die nächsten Entwicklungen im Musikgeschäft. Sehr wahrscheinlich wird beispielsweise Apple mit seinen verschiedenen Initiativen rund um seine iTunes-Applikation hier noch für manche Überraschung gut sein.
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