Die Stellenanzeige ist tot
16.04.2010Diesen Eindruck kann man gewinnen, wenn man die neueste Studie der mühlenhoff managementberatung liest (PDF-Download). mühlenhoff hat untersucht, auf welchen Wegen ihre Outplacement-Klienten eine neue Stelle finden:
- 38% : Netzwerk
- 21% : Initiativbewerbung
- 19% : Bewerbung auf Stellenangebot
- 18% : Vermittlung durch Personalberater
- 04%: Stellengesuch
Nicht einmal jede 5. Stelle kommt durch das klassische “sich auf Anzeigen bewerben” zustande. Um so fataler, dass diese Methode immer noch als Standard in vielen Bewerber-Köpfen verankert scheint. Es gibt eben, gerade bei den qualifizierten Positionen, einen erheblichen verdeckten Stellenmarkt, der den offenen Stellenmarkt an Kapazität teilweise weit übertrifft.
In der Outplacement-Branche taxiert man das Verhältnis von offenem zu verdecktem Stellenmarkt auf etwa 30:70 – eine Schätzung, die die mühlenhoff-Studie fast exakt widerspiegelt. Lässt man den Faktor Netzwerk (und die vernachlässigbaren Stellengesuche) außer acht, drittelt sich die Erfolgsquote gleichmäßig auf Stellenangebote (offener Markt) sowie Initiativbewerbungen und Personalberater (verdeckter Markt).
Was bedeutet das nun für den Bewerber?
- Er muss sich kritisch mit seinen individuellen Fähigkeiten und seinem Angebot an den Arbeitsmarkt auseinandersetzen und das auch entsprechend in einer Initiativbewerbung formulieren können. Das erfordert Zeit und eine nicht unerhebliche Reflexion.
- Er muss früh und professionell ein Netzwerk bilden, das ihn möglicherweise zu einem neuen Job verhilft. In einer Beratung addieren sich dazu das Netzwerk des Coaches / des Beraters und das Netzwerk der Beratungsfirma insgesamt.
- Er sollte sich früh mit Personalberatungen auseinandersetzen. Das Feld ist breit gestreut und mit schwarzen Schafen durchsetzt, sodass man hier vorsichtig agieren sollte. Dennoch kann ein guter Personalberater die Chancen auf eine neue Position steigern.
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Jahrgang 1975, Diplom-Psychologe mit Hang zur IT, Coach, Autor und hoffnungs- loser Jazz-Fan. Motto: "Es gibt im Leben nur einen richtigen Weg: den eigenen."
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Sehr interessante Studie. Vielen Dank für den Beitrag. Werde es bei meinen Coaching Gesprächen ebenfalls verwenden.
besten Dank für die immer wieder interessanten und unterhaltsamen Beiträge. Gerade Absolventen ist das Verhältnis verdeckter zu offener Stellenmarkt nicht bewußt und alternative Bewerbungsformen werden viel zu wenig genutzt, stattdessen fahren viele auf der “Bewerbungsautobahn” in den Stau. Freue mich auf weiter interessanten Gedankenaustausch und hoffentlich hört der eine oder andere Student öfter die Verkehrsmeldungen.
Danke für den Beitrag.
Es denkt sich mit unseren Erfahrungen mit einer Reihe Unternehmen, die durchaus Personalbedarf an einigen Stellen haben/ hatten, aber diese Positionen nicht oder nur zum Teil über den offiziellen Stellenmarkt offerieren. Einige Unternehmen hatten während der Krise sogar Positionen ausgeschrieben, aber sehr lange nur Bewerbungen “eingesammelt” ohne zu entscheiden. Hier liegt der Verdacht nahe, dass solche Anzeigen, Pseudocharakter haben um über zeitwilige Befindlichkeiten des Unternehmens hinweg zu täuschen. Einen Pseudo-Personalberater-Auftrag ist aber nicht bekannt. Wieder ein Punkt pro “verdecktem” Jobmarkt.