Die Rede, die Merkel nicht gehalten hat

18.01.2010

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

2010 wird ein großartiges Jahr. Ich als Bundeskanzlerin habe beschlossen, Ihnen zu vertrauen, Ihnen Mut zuzusprechen. Daher werde ich Sie nicht mehr ängstigen: mit Nichtführung oder verbalen Schreckensphrasen von Arbeitslosigkeit, Armut, Siechtum und Tod. Wir Deutschen sind ein starkes Volk und gleichzeitig ein friedliches Volk. Haben wir uns nicht wiedervereinigt ohne einen einzigen Schuss? Welch unglaubliche zivilisatorische Leistung!

Meine lieben Mitbürgerinnen und Mitbürger, ich als Ihre gewählte Anführerin bin zuversichtlich, dass wir trotz widriger Umstände, einer Finanzkrise, Schuldenlasten, sozialer Ungerechtigkeiten etc. den Karren aus dem Dreck ziehen können. Ich bin mir meiner Symbolkraft bewusst und ich rufe Ihnen zu: Ich glaube an Sie! An Ihren Einfallsreichtum, Ihre Solidarität, Ihren Gemeinsinn, Ihr Durchhaltevermögen.

Hinter diesem Glauben steht ein Versprechen: Mit bestem Wissen und Gewissen, so wahr  mir Gott helfe, so wie ich es geschworen habe, Sie zu unterstützen: mit konstruktiven Gesetzen und Staatsmenschen in Regierung und Opposition – statt machthungriger Wölfe, die nach dem nächsten Bissen von der Tafel des Geldes schnappen. Mit konsequentem, manchmal auch unbequemen Handeln, für eine bessere Welt, in der auch unsere Kinder noch leben können.

Verehrtes Volk, ich bin auch nur aus Fleisch und Blut. Ich schaffe das nicht allein. Daher appelliere ich an jeden einzelnen von Ihnen, Verantwortung zu übernehmen. Für Ihre Familie, Ihr Wohnviertel, Ihren Wahlbezirk, Ihre Glaubensgemeinschaft. Ich appelliere an alle Beamten, die über Schicksale von Menschen entscheiden, ein ausgewogenes Maß von Strenge und Güte zu entwickeln, von leben und leben lassen.

Dies ist eine kurze Rede und schon fast vorbei. Denn die Wahrheit braucht keine verschwurbelten Schnörkel und Bandwurmsätze. Die Wahrheit liebt kurze, präzise, ehrliche, dabei liebevolle Sätze. Sie sollen auch meine Regierungszeit prägen. 2010 wird ein großartiges Jahr.

Auf geht’s,

Ihre Angela Merkel

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