Mensch & Chance • Das Blog

 Alltagsnotizen eines Psychologen



Die Messe “Zukunft Personal” – eine Buzzword-Wüste

19.08.2009

Im September ist es wieder soweit: In Köln findet vom 22.-24. September die Zukunft Personal statt, nach Eigenaussage “Europas größte Fachmesse für Personalmanagement”. Die letzten beiden Male war ich dort, und es war im Grunde ganz interessant. Kein wirkliches Geschäftemachen, aber ein, zwei schöne Tage mit Vorträgen, Leute treffen etc.

Dieses Jahr ist es anders, oder besser – ich sehe es anders. Sobald ich das Infoblatt “MesseSpecial” (was zum Beispiel der Zeitschrift managerSeminare beiliegt) aufschlage und die Veranstaltungen durchgehe, springen mir die heftigsten Buzzwords entgegen: Da ist vom “Humanpotenzial-Index” die Rede und ein Vortragender wird gar als “Trennungspapst” [bzgl. Kündigungen und Trennungskultur in Unternehmen] vorgestellt. Weitere Wort-Ungetüme aus dem Wandschrank des Grauens:

  • Transformationale Führung
  • Bye-bye-Management
  • Neurostress (eine bemerkenswerte Tautologie, immerhin)
  • Sustainable Recruitment
  • Bodybased Communication (“Körpersprache” ist anscheinend nicht sexy genug)

Die Personalbranche hat anscheinend endgültig ihr Ticket ins Plemplem-Land gelöst und bedient sich zunehmend der gleichen Gaga-Sprache wie die Unternehmensberater (wobei dort ja das Fieber Gott sei Dank abklingt, weil inzwischen auch der renitenteste Berater weiß, dass seine Auftraggeber meist allergisch auf “win-win” und das “Heben von Synergien” reagieren).

Die Personaler brauchen sich nicht zu wundern, wenn man sie bald nicht mehr ernst nimmt (ohnehin ein kritisches Thema; wo bitte sind denn die zahlreichen Unternehmen, deren Personalabteilungen als “Business Partner” ernstgenommen werden?). Es wird eben in unterschiedlichen Abständen eine neue Sau durchs Dorf getrieben, und die muss immer neu benannt werden, sonst macht’s ja keinen Spaß: Vorletztes Jahr war’s E-Learning, letztes Jahr Storytelling, und dieses Jahr eben “Bodybased Communication”. Könnte sich genausogut als Euphemismus-Begriff für Prostitution durchsetzen.

Artikel, die Sie interessieren könnten

  1. Eindrücke zur “Zukunft Personal” in Köln
  2. Wie finde ich eine gute Coaching-Ausbildung?
  3. Intuition ist selten eine Lösung

flattr this!

Kategorie: Weiterbildung | Trackback-URL

1 Kommentar


  1. Da frage ich mich beim groben Uberfliegen ja schon, ob man nicht komplett auf den Kopf gefallen war. Dankeschon fur eure Einsichten

Kommentar schreiben