Die “Generation Praktikum” und das Bemühen der Politik

Was ist dran an der “Generation Praktikum”? Welche Menschen stehen eigentlich hinter dem Begriff “Praktikant”? Gibt es gesetzliche Regelungen zu Praktika in Deutschland?

Diese und andere Fragen wurden auf der Konferenz “Praktika stärken – Missbrauch verhindern” gestellt, zu der ich am 07. Mai im Bundesministerium für Arbeit und Soziales eingeladen war. Initiator war die “Initiative Neue Qualität der Arbeit” (INQA) des BmAS.

Einladungsscreen zur Konferenz "Praktika stärken - Missbrauch verhindern"

Was inhaltlich herauskam…

  • Wer sich mit dem Thema auseinandersetzen will, dem sei diese Studie (PDF) der Hochschul Informations GmbH (HIS) empfohlen. Die HIS kommt zu dem Schluss, dass “[...] es sich bei Praktika nach dem Studium gegenwärtig nicht um ein Massenphänomen handelt und der Begriff „Generation Praktikum“ mit Blick auf den beruflichen Verbleib von Hochschulabsolventen nicht gerechtfertigt ist.Als weiteres Ergebnis hält HIS fest, dass “Praktikumskarrieren” eine Randerscheinung seien; die Mehrzahl der Absolventen gingen nach einem Praktikum in eine geregelte Beschäftigung über. Allerdings seien die Grenzen zwischen Praktikum und einem geregelten “Knebel – Arbeitsverhältnis” fließend. Anmerkung: Die HIS konzentriert sich ausschließlich auf Praktika von Hochschulabsolventen nach ihrem Abschluss.
  • Auch die INQA selbst hat eine Studie erstellt. Auf der Seite finden sich unten entsprechende PDF-Downloads.
  • Ebenfalls informativ zusammenfassend ist die nachbereitende Pressemeldung der INQA vom 08. Mai.
  • Außerdem: ein kurzes Interview mit der Moderatorin der Konferenz, Anke Plättner (PHOENIX).

Moderatorin Anke Plättner interviewt zwei Podiumsteilnehmer.

Was mir seltsam vorkam…

Man muss sich das so vorstellen: Der Kern der Tagung war eine Studienpräsentation zweier Sozialwissenschaftlerinnen. Versiert in wissenschaftlicher Arbeitsweise kann ich sagen, dass die beiden Damen eine ordentliche Arbeit abgeliefert haben. Eine gute Mischung aus Detail und Verallgemeinerung. Was eben sein muss, wenn man ein gemischtes Zielpublikum zu bedienen hat.

Und was passiert? Sie werden von einigen Erkürten aus dem Publikum in die Zange genommen, mit offensichtlich in diesem Rahmen sinnlosen Detailfragen traktiert. Nebenbei liefern dieselben Fachkundigen entsprechende sozialpolitische Statements gleich mit, sodass die Moderatorin mehrmals zur Ordnung ruft und den Herren das Wort entzieht. Zunehmend fasziniert von dieser “Knüppel aus dem Sack”-Methode, wollte ich deren Sinn erforschen.

Bundesarbeitsminister Olaf Scholz hält eine Rede.

Dies gelang mir durch einen Blick auf die Teilnehmerliste sowie durch ein Gespräch am Buffet. Mein Diskussionspartner erklärte mir, dass auf diese Art Politik und Stimmung gemacht wird: Da nicht wenige Bundestagsmitglieder im Publikum säßen, würden die beiden Ministerien (Wirtschaft einerseits und Arbeit andererseits) sich gegenseitig attackieren, um selbst besser dazustehen und später ihre Sicht der Dinge bei Bundestagsentscheidungen durchzudrücken – letztendlich auf Kosten der beiden Referentinnen (und anderer Nichtpolitiker, die als Katzenkratzbaum benutzt werden).

Am kurzweiligsten fand ich die Rede von Olaf Scholz (obwohl ich mit der SPD eher wenig anfangen kann), der aus der Nähe ausgesprochen sympathisch wirkt und nebenbei vom Rhetorischen her einen nachgerade perfekten Auftritt hinlegte. Ein Hoch auf seinen Präsentationscoach (wer immer das sein mag).

Schließlich ging es für mich nach einem aufregenden Tag in Berlin via Bahn zurück nach Nürnberg, mit einem kleinen Einblick in das große Getriebe der Politik im Gepäck.

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Alle drei Photos © Christoph Assmann.

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Datum: 19.05.2008 | Trackback-URL  | Artikel als PDF

2 Kommentare

  1. Ich bin schon der Meinung, dass es eine Art “Generation Praktikum” gibt. Die Praktika, die ich bisher gemacht habe, waren sehr durchwachsen. Da war von Drecksarbeit wie Saubermachen bis über Praxisbezogenes wie zb. EDV-Verwaltung bei einer IT-Firma alles dabei. Vor ca. 3-4 Jahren musste ich während meines Praktikums bei verschiedenen Firmen fast nur “Billig-Arbeiter” spielen, das heißt, es wurde nichts gezahlt, aber gleichzeitig musste man fast länger in der Firma bleiben, als die Angestellten selbst. In den letzten Jahren, also von vor 2 Jahren bis jetzt hatte ich eigentlich nur noch positive Praktikas. Also da habe ich etwas Geld für meine Arbeit bekommen, und musste aber auch nur fachbezogene Aufgaben erledigen.

    So würde ich es eigentlich besser finden. Denn wenn ein Unternehmen sich mehrere Praktikanten nimmt, und diese sozusagen Unentgeldlich schufften lässt, ist die Versuchung wieder da, diese einfach als billige Arbeitskräfte zu nutzen, statt ihnen den Beruf nahe zu bringen.

  2. Hallo Herr Stoffe,

    Ihre Schilderung verschiedener Stationen hört sich doch nach einer klassischen “Praktikumskarriere” an. War das beabsichtigt, um verschiedene Erfahrungen zu sammeln? Oder sahen Sie es immer wieder als Übergangslösung, ohne dass sich der ersehnte Job einstellte?

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