Die 4 Stufen der Unternehmenslähmung
Neulich klagte mir ein Kunde sein Leid: Wie aufgebläht doch die Prozesse in seiner Firma seien, wie ineffizient die Matrix-Organisation und wie demotiviert seine Mitarbeiter. Während er dies in die Weiten des Raumes sprach, wurde ich immer unruhiger, bis ich zu zittern anfing. Schließlich stürzte ich aus dem Konferenzraum und in die nächste Toilette. Dort riss ich mir atemlos meinen Anzug herunter (schade um das gute Teil) und schlüpfte in mein Batman-Kostüm. Die fragenden Augen der Putzfrau ignorierte ich. Sie hatte in ihren dreißig Berufsjahren bestimmt schon Merkwürdigeres gesehen.
Ich sprang zurück ins Meeting, nicht ohne mir vorher mit meinem neuen Titan-Aluminium-Distanzgreifer ein Flipchart aus dem angrenzenden Großraumbüro besorgt zu haben. Der Geschäftsführer, eben noch nippend an seinem Earl Grey, erstarrte und konnte nur noch flüstern: “Jo, bischt du etz Bäddmän?!” Putzig, wie wir in Momenten der Überraschung in unseren Heimat-Dialekt zurückfallen!
Keine weitere Zeit verlierend, malte ich ihm die neueste Episode aus meinem Berater-Comic-Leben an die Tafel, benannt “Die 4 Stufen der Unternehmenslähmung”:
- Sinnvolle, koordinierte Arbeit – Der Idealzustand, keine Frage. Und wie jeder Idealzustand rar gesät. Das Universum schwingt nunmal hin und her, zwischen arbeitstechnischer Skylla und Charybdis.
- Sinnvolle, unkoordinerte Arbeit – Langsam zeigen sich erste Wolken am Himmel. Wir sind noch nicht im Chaos, können es aber meist von hier aus bereits gut sehen.
- Aktivismus – Hat sich etabliert zum Lieblingszeitvertreib deutscher Behörden und Unternehmen ohne echte Führung. Hierunter fallen das Anlegen einer ZWEITEN Excel-Tabelle über den Vorgang, sinnlose Meetings, aber auch Restrukturierungen, nach denen man in einigen Unternehmen gewissermaßen die Uhr stellen kann: “Was, schon wieder zwei Jahre vorbei? Na, die Umstrukturierung kommt diesmal aber spät.”
- Verwaltung des Aktionismus – Das ist jetzt fast schon Kunst, sozusagen Irrsinn zweiter Ordnung. Es gibt irgendeinen Asterix-Band, in dem er durch eine Behörde irrt, die ihn fast wahnsinnig macht. Sehr lesenswert.
Gehen Sie mal durch Ihren Betrieb. Egal, ob Sie Arbeitnehmer, Geschäftsführer etc. oder Selbständiger sind: Fragen Sie sich ehrlich, welche Ihrer Arbeiten oder der des Unternehmens in welche der obigen Kategorie fällt. Und benutzen Sie dafür nur Ihren gesunden Menschenverstand. Machen Sie eine Liste und beschreiben Sie, was Sie sehen.
Wenn Sie dann noch nicht vom Fenstersims gehopst sind, teilen Sie Ihre Einschätzung mit Kollegen und Ihrer Führungskraft. Meistens – hoffentlich! – wollen ja alle sinnvolle und koordinierte Arbeit leisten. Und so können Sie mithelfen, Ihre Firma ein bisschen gesünder und produktiver machen.
Artikel, die Sie interessieren könnten
- Kleines Tool für Bewerber Wenn man sich bei mehreren Firmen bewirbt, ist es wichtig,...
- Von Firmen und Menschen, Stress und Veränderung Eine Firma ist wie ein Mensch. Gerät ein Mensch unter...
- Cash is king – Was Unternehmen aus der Krise lernen Die Unternehmenberatung Roland Berger hat über 100 Unternehmen vom Mittelständler...
