Der Coach als Marke

24.08.2009

brands flood

Im aktuellen Heft der managerSeminare beschäftigt sich Martin Geiger mit Marketing für Coaches (“Aus der Reihe tanzen“). Neben den üblichen Tips der Kundenpflege gibt er Coaches mit auf den Weg:

Kreieren Sie eine einzigartige Marketing-Aussage. Sie sollte kurz und innerhalb von 30 Sekunden vorzutragen sein und den Menschen mitteilen, was Sie tun und was Sie von allen anderen abhebt. Ihre Marketing-Aussage sollte immer einen Nutzen offerieren.

Wenn man das kann, ist es natürlich top. Ich habe jedoch erhebliche Zweifel, ob das jeder der ca. 5.000 Coaches in Deutschland schafft. (Anderen Schätzungen zufolge sollen hierzulande gar 40.000 Erkürte “Coach” auf ihrer Visitenkarte stehen haben.)

Bereits in einem früheren Artikel habe ich mich kritisch mit dem Phänomen “Der Coach als Marke” auseinandergesetzt. Wahrscheinlich ist es eine Berufskrankheit von Leuten, die sich mit dem Mensch als Persönlichkeit auseinandersetzen, dass sie auch sich selbst immer mehr differenzieren und mit einem “Brand” oder “Label” versehen wollen. Das funktioniert nur in begrenztem Maß, genau wie ein Bäcker, wenn man alles Gezwurbel weglässt, eben eine Art von Produkt herstellt, nämlich Backwaren. Auch ein Friseur schneidet letztendlich “nur” Haare, egal wie stylish eingerichtet sein Laden ist oder wie groß die Getränkeauswahl.

Das soll nicht heißen, dass Coaches kein Marketing brauchen. Alle anderen Tips, die Herr Geiger gibt, kann ich voll unterschreiben. Nur mit dem viel beschworenen USP sind viele Coaches in der Regel überfordert und machen sich auf der krampfhaften Suche danach nur unglücklich.

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Kategorie: Coaching | Trackback-URL

9 Kommentare


  1. Also in 30 Sekunden könnte ich auch nicht sagen, was mich als Coach auszeichnet. Das halte ich auch für eine enorme Verkürzung.
    Gleichwohl finde ich es wichtig, sich als Mensch mit seinem Ansatz zu zeigen. Das läuft meiner Meinung nach weniger über das, was man sagt, sondern auch viel darüber, wie man es sagt.

    Sie machen das ja auch mit Ihrem Blog. Zum Beispiel mit einem minimalistischen Design, differenzierten Betrachtungen anstatt dme üblichen Coaching-Blabla und mit manchmal kontroversen Standpunkten.

    Darüber läuft meiner Meinung nach der Markenaufbau bei Coaches. Nicht so sehr über das Logo, sondern über die persönlichen Inhalte und die Art der Darstellung.


  2. Wer das hinterfragt und nicht als selbstverständlich verinnerlicht hat, kann wohl kaum andere Menschen und Unternehmen coachen.

    Wer will den die zwei Stunden bezahlen, die jemand braucht, um sich rüberzubringen? Wer nimmt einen solchen Propheten denn ernst?

    Und natürlich bezieht das alles ein, was kommuniziert. Wort, Bild, Sprache, Design…

    Schon haben wir nur noch ganz wenige ernstzunehmende Coaches in Deutschland.

    Die Guten müssen sich keine Sorgen machen. Die können sich eher über die lustig machen, die jetzt krampfhaft iregendeine Markenmütze aufsetzen und damit verkleidet durch die Welt laufen.


  3. Schön, dass Sie das Thema Coaches und Marketing aufgreifen. Ist seit längerem auch eins meiner Lieblingsthemen

    Mein Spontankommentar:
    bestätige, diese ewige Sucherei nach dem USP hatte bei mir zu Schreibblockaden, Identitätsirritationen: welch Coach bin ich – und wenn wie viele (oder eben, wie viele nich)?? und zu MIch-unglücklich-fühlen geführt.

    Nachdem ich mich durch Das Leuchtturmprinzip, EKS, Allein erfolgreich, um nur ein paar zu nennen, gearbeitet hatte und noch gefühlte 10 Marketingseminiare mitgemacht hatte und vorgenannte Findungsphasen durchlaufen habe, bin ich mittlerweile zu der Überzeugung gekommen:
    Frau muss die Regeln kennen, um sie zu brechen. Letzteres traue ich mich immer häufiger – und fühle mich damit besser, als je zuvor.

    Viele Grüße
    Maria Ast


  4. @Ast
    Aber genau das ist dann auch das, gegen das Sie sich gerade zu wenden meinen.

    Wenn ich Ihren Spontankommentar lese und richtig deute, sollten Sie die Seiten wechseln. Vom Coach zur Gecoachten… Wie will man anderen den Weg weisen, Hilfe sein, wenn man selbst nicht in der Lage ist, einen Weg sicher zu finden und ebenso sicher zu beschreiten?

    Gehören Sie zu den im Artikel erwähnten 5.000 oder den 40.000 Coaches? Nur um mal so eine Idee zur Selbstwahrnehmung und Qualität der Branche zu bekommen. Dies ist nämlich mein erster Kontakt mit der Branche.


  5. @JörgKremer
    Es ist ein Drahtseilakt mit der eigenen Persönlichkeitsentwicklung von Coaches. Wir haben feine Antennen und reflektieren viel, manchmal zuviel. Daher ist die Grenze zwischen “Ich habe ergründet, wer ich bin” und “Ich stelle mich ständig in Frage” fließend.

    Ich stimme Ihnen zu, dass ein Coach irgendwann so klar und geerdet sein sollte, um selbst zum Leuchtturm zu werden. Doch dahin führt eben manchmal kein gerader Weg. Frau Ast scheint für mich schon eine Souveränität erreicht zu haben, die nötig ist, auch anderen Menschen deren Weg zu zeigen.

    P.S. Wenn mein Blog Ihr erster Kontakt mit der Coaching-Branche ist (was ich irgendwie cool finde), sind Sie herzlich eingeladen, mir bei konkreten Fragen, Kontaktwünschen etc. auch direkt zu mailen.


  6. @Väth

    Indem Sie sich so männlich, schützend vor Frau Ast werfen, nehmen Sie Frau Ast die Möglichkeit, sich selbst zu positionieren. Jetzt hat sie unfreiwillig einen Coach. Sie! Die Abrechnung klären sie unter sich?

    Wir Männer können eben nicht anders, als uns aufopferungsvoll vor das andere Geschlecht zu werfen, wenn dies angegriffen scheint. Brauchen wir jetzt alle einen Coach? Dann wären 40.000 und mehr beschäftigt. Es bleibt spannend…

    Danke für Ihr Angebot. Zur Zeit habe ich weder Fragen noch Wünsche, die ich nicht auch hier äussern könnte. Aber wer weiß…


  7. @Jörg Kremer
    Schön, dass Sie nach EINEM einzigen Kommentar meinerseits meinen, sich ein Urteil über meine Qualifikation als Coach erlauben zu wollen…

    “Eines schickt sich nicht für alle,” meinte schon Goethe.
    Das trifft auch auf Coaches zu: der eine sucht einen Coach, der ‘ihm sagt, wo es langgeht’ oder Erfolg und Spaß ohne Ende propagiert , andere suchen eher nach jemanden, der selbstkritisch und reflektiert ihm oder ihr dabei hilft, sich selbst besser kennen/führen zu lernen.

    Ich bringe Menschen bei, (wieder) ihrer Intuition zu vertrauen, wenn es um Entscheidungen und Ziele geht – ohne den Kopf zu vernächlässigen. Werfen Sie doch einen Blick auf meine homepage – und folgen schlicht Ihrer Intuition: entweder Sie fühlen sich angesprochen – oder eben nicht.
    Und klicken noch ein paar andere Coachingseiten an und fühlen nach, bei wem es sich für SIE am besten anfühlt. Ist ne hervorragende Intuitionswahrnehmungsplattform. Vielleicht haben Sie ja Lust, es auszuprobieren… die Intuition wird Ihnen schon blitzschnell zurückmelden: wat’n Scheißvorschlag – oder: joooh, kann ich ja mal probieren.
    Maria Ast


  8. @Maria Ast
    Ich bin Werber mit Herz, Seele und Verstand gleichermaßen. Intuition ist mir ein wichtiges und heiliges Instrument in 20 Jahren Berufspraxis geworden. Da ich mich auch schon seit Jahren mit Neuromarketing und den Neurowissenschaften beschäftige, weiß ich auch um die bekannten Hintergründe. Kenne die unglaubliche Macht und Kraft der Intuition und lasse ihr viel Raum. Das ist in überproportional vielen Fällen sehr erfolgreich. Aber wie überall, trifft es auch hier manchmal die Falschen, oder die Richtigen falsch. Wenn ich jede Intuition am Tag überprüfen wollte, käme ich aus dem Überprüfungsstadium nicht heraus. Ich muss mit einem gewissen Maß an Kolateralschäden einfach leben. Ich bin leider kein Kunde für Sie. Mir ist die “Zitatenbranche” wohl eher eine Reibfläche zur Abgrenzung, als Flausch zum gemeinsamen Kuscheln. Aber auch das kann ja sehr produktiv sein. Das Reiben meine ich! Ihnen viel Erfolg und Spaß!


  9. @Jörg Kremer

    Auch ich beschäftige mich mit Neurowissenschaften und ihre Auswirkungen, vorwiegend, was Entscheidungfindung angeht – blende aber auch nicht aus, welchen manipulativen Charakter sie im Marketing/in der Werbung haben kann – und da so subtil, dass ich es gar nicht merke.
    Manipulativ möchte ich ungern meine KundenInnen “einfangen”. Vielleicht wird dadurch eher mein Dilemma sichtbar. Es hat eher mit meiner Haltung/Verantwortung zu tun, als mit dem Nicht-wissen-wer-ich-bin.

    Ich liebe es seit undenkbaren Zeiten, Zitate zu verwenden, so ca. seit ich 14 war. Seit ich Coach bin, nutze ich sie, offenbaren sie mir doch relativ schnell, wie der Mensch da vor mir tickt, welche Glaubenssätze, Denkweisen (über die Welt und sich, seine Probleme, Möglichkeiten, Grenzen…) er hat.

    Wenn ich MOTTO statt ZITAT sage (weil in beiden die Haltung zum Ausdruck kommt), wird’s vielleicht klarer:
    Auch SIE haben ein Lebensmotto, eine Haltung zu speziellen Dingen (wie z.B. Werbung/Marketing oder Coaches…), das Sie regelmäßig “zitieren”: in echt oder im Kopf – ob Ihnen das bewusst ist oder nicht.
    Für mich haben individuell erbeitete Mottos mit Kunden nix, aber auch gar nix mit Kuscheln zu tun. Sie kommen nach einem intensiven Coachingsprozess zustande. Und sind Teil meines USP: ich liebe Worte und weiß um die Macht von Worten :-) – wie die Werber auch.

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