Coaching und die Warum-Frage

Seitdem ich coache, begleitet mich ein Schatten. Auf Kongressen, in persönlichen Gesprächen, in Netz-Debatten. Es ist der Schatten des “systemischen Coachings”.

Der Schatten flüstert mir zu, es gehe nicht um das “Warum”, nicht um Ursachen oder “Schuld”, sondern um Zusammenhänge innerhalb eines Systems, mit dem Klienten als Teilnehmer davon. Es sei nicht zielführend, nachgerade schädich, das Warum auszugraben und darauf herumzureiten. Man stehe zusammen mit dem Klienten im Hier und Jetzt, schaue nach vorn und entwickle maßgebend der erarbeiteten Ziele die Schritte zu deren Verwirklichung.

Zugegeben: Es gibt Coachings, die sind so einfach. Doch je länger ich als Coach arbeite, desto sinnloser kommt mir dieses “systemische Axiom” für meine Arbeit vor. Das fängt schon bei einem simplen Karrierecoaching an: Die berufliche Entwicklung eines Klienten stockt, weil er – wie es scheint – gegenüber seinen Entwicklungsmöglichkeiten rationale Gründe anbringen kann, diese nicht einzuschlagen. Doch es stellt sich heraus, dass er eine berufliche traumatische Erfahrung hinter sich hat, die ihn daran hindert, überhaupt einen neuen Weg einzuschlagen. Was also tun?

Vielleicht liegt es an meinem therapeutischen Hintergrund, aber ich gehe der Frage nach dem Warum in meinen Coachings nach. Weil ich davon überzeugt bin, dass der Klient seine Dynamik begreifen muss, bevor er sie verändern kann. Daher verstehe ich mich auch gerne als eine Art Detektiv. Erst wenn etwas bewusst wird, kann man es betrachten. Betrachten ist der erste Schritt zur Veränderung. Veränderung bringt Resultate.

Daher plädiere ich für eine Neubewertung des systemischen Ansatzes im Coaching und für die Einbeziehung der Warum-Frage.

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Datum: 14.09.2009 | Trackback-URL  | Artikel als PDF

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